28.01.2006 · Wer traut sich nun zur Premiere von Michael Neff, dem umtriebigen Frankfurter Galeristen und neuen Messechef, der seinem Publikum „eine Mischung aus hochkarätigem Angebot, spannendem Event und den richtigen Besuchern“ verspricht?
Von Sandra KegelJetzt sind sie bekannt, die ersten Namen der Galerien, die sich vom 16. bis zum 19. März auf der neuen Frankfurter Kunstmesse, der „fine art fair frankfurt“, präsentieren werden: Achtunddreißig Teilnehmer hat der externe Messebeirat bislang aus den zweihundertdreißig Bewerbern ausgewählt; weitere Zulassungen sollen folgen, so daß man bei „high & low“, so der Titel der diesjährigen Show, am Ende mit etwa fünfzig Galerien wird rechnen dürfen.
Wer nun aber traut sich zur Premiere von Michael Neff, dem umtriebigen Frankfurter Galeristen und neuen Messechef, der seinem Publikum „eine Mischung aus hochkarätigem Angebot, spannendem Event und den richtigen Besuchern“ verspricht?
Da findet sich bislang eine kleine feine Gruppe zusammen, die in der großen neuen Messehalle 9 ein stimmiges Bild abliefern könnte: Zum Beispiel aus Berlin die Galerie Neu, Contemporary Fine Arts und die Foto-Galerien Kicken und Viaux; aus Köln reisen unter anderen Christian Nagel, Luis Campaña sowie Hammelehle und Ahrens an, die Gebrüder Lehmann aus Dresden sind vertreten, ebenso Meyer Riegger aus Karlsruhe und Sies + Höke sowie Voss aus Düsseldorf.
Von den Frankfurter Galeristen haben Bärbel Grässlin, die L.A. Galerie, Voges + Partner und die jungen eigensinnigen Parisa Kind und Eva Winkeler sowie - als Cameo im Feld der Modernen - der Spezialist für Zeichnungen des 19. Jahrhunderts, H.W. Fichter, eine feste Zusage erhalten. Aus dem Ausland sind neben der luxemburgischen Galerie Alimentation Générale Art Contemporain Nosbaum & Reding derzeit nur deutschsprachige Länder vertreten: aus Wien die Galerien Krinzinger, Nächst St. Stephan, Krobath Wimmer und Gabriele Senn, aus der Schweiz Patricia Low Contemporary, Nicolas Krupp GmbH Contemporary Art Gallery und Bob van Orsouw.
Mit dem Konzept der Messe, moderne und zeitgenössische Kunst in Form von „one artist shows“ zu präsentieren, haben sich wohl alle Teilnehmer angefreundet.
Parallel zur Messe finden in ihrem Auftrag an verschiedenen Orten Frankfurts Performances von Künstlern wie Santiago Sierra und Chris Canavan statt. Gleichzeitig macht der Wiesbadener Galerist Erhard Witzel - freilich ohne Absprache mit der „faff“ - Ernst mit seinem Plan einer „ergänzenden Veranstaltung“ - keiner Gegenmesse also - zu der Neffschen Hauptmesse.
Stattfinden wird die Verkaufsausstellung „artspace Frankfurt“ in den Räumen des Ateliers Goldstein der Frankfurter Lebenshilfe, die sich in der Hanauer Landstraße befinden, jener Straße also, in der auch Michael Neffs Galerie beheimatet ist. Neunzehn Galerien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, darunter Hübner aus Frankfurt, Lutz & Thalmann aus Zürich und Ebensperger aus Graz haben sich für diesen Ort entschieden.
Vorboten der Messe indes man schon jetzt in Frankfurt ausmachen. In der Galerie U 7 wurde dieser Tage der erste Streich einer dreiteiligen Ausstellung junger Künstler eröffnet, die sich offenbar von Neffs gelegentlich bissiger Diktion angesprochen fühlen. Der Messechef hatte in einem Kunstmagazin gepoltert, daß „viertklassige Leute aus dem Umland wie Rüsselsheim und Hanau“ nach Frankfurt kämen, um dort neue Galerien zu eröffnen. Dabei, so Neff, handle es sich um „Schrott“. Das erste Projekt bei U 7 nennt sich prompt „Galerie Uschi Spiesser, Rüsselsheim“, und es scheint dabei um letzte Dinge zu gehen wie: Wer bestimmt, was eine „gute“ Galerie ist, und was eigentlich ist „Schrott“-Kunst? Da stellen sich Fragen über Fragen in Frankfurt.