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Künstler als Markenkönig Pizza in der Clinica Picasso

11.08.2011 ·  Brautstudios, Wasserbetten, Kaffeemaschinen oder Torten - weltweit hofft man mit dem Label „Picasso“ auf ein gutes Geschäft. 1,4 Millionen Treffer gibt es allein für die Pizzavariante. Es geht aber noch schlimmer.

Von Tilo Richter
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Als Picasso 1973 starb, war die Angst der Kunsthändler groß, der Nachlass des Spaniers könnte den Markt überschwemmen. Doch nicht die Kunst machte sich breit, vielmehr wurde die „Marke Picasso“ entdeckt; der Erfolg des Künstlers könnte ja auf das eigene Geschäft abfärben. Heute ist Señor P. nicht nur in Auktionskatalogen Dauergast, die so zahl- wie sinnlosen Verwendungen seines Namens sind allgegenwärtig - auch jenseits des Mini-Vans „Citroën Picasso“, der inzwischen 650.000 Mal über die Kontinente rollt.

Besonders beliebt ist Picasso bei Friseursalons und Nagelstudios: „Salon Picasso“ klingt weltstädtisch, wie in Weyhe bei Bremen an der Bahnhofstraße 28. Ein Namensvetter befindet sich an der Bahnhofstraße 27, zum Geschäftsglück für die Bremer jedoch im Schweizer Dorf Sevelen. Noch weiter weg, im kanadischen Vancouver, frisieren Haarkünstlerinnen im Bridal Studio des dortigen „Salon Picasso“. Gewagt präsentieren sich gar Hundefriseure unter der Flagge Picasso: in Tönisvorst am Niederrhein und in Sankt Gallen. Wobei erwähnt werden muss, dass heute selbst Picassos Dackel „Lump“ Thema eines Buchs ist und auch des Künstlers Barbier Eugénio Arias als Autor zu Wort kam.

Soll die Mönchengladbacher „Wasserbetten Picasso GmbH“ eine Anspielung auf das verzweigte Liebesleben des Malers sein? Oder will Werner Kramer aus Breitenworbis mit seinem „Malerfachbetrieb Picasso“ gar falsche Tatsachen vortäuschen? Bestimmt genauso wenig wie der Bremer „Meisterbetrieb Picasso color“ von Slawomir Hnatyk. Picasso liebte gutes Essen: Möglicherweise deshalb vertreibt man in Österreich die apfelgefüllte Picasso-Schnitte, schätzt man in Südfrankreich Picasso als Mandelstange und gibt es für Picasso-Torte Rezepte en masse.

Auch für Restaurants, Cafés und Bistros, mit oder ohne spanische Spezialitäten, wird der Meister gern als Patron herangezogen: Wer „Pizzeria Picasso“ bei Google eingibt, fördert 1,4 Millionen Treffer zutage - und findet Pizzabäcker im kanadischen Cowansville, in Marbella, Freiburg oder Wien. Amerika ist eine Fundgrube für Picasso-Jäger - von der Software-Schmiede über den Kaffeemaschinenhersteller bis zum Spielzeughändler, alle schmücken sich mit den sieben glorreichen Buchstaben.

In Spanien stößt man naturgemäß auf Kurioses, der Gipfel dürfte dort das Privatkrankenhaus „Clinica Picasso“ in Palma de Mallorca sein. Die zahlreichen Hütten und Paläste in Picassos langem Leben wären ein eigenes Buch wert: Wahrscheinlich deshalb gibt es in Frankfurt die „Picasso Immobilien GmbH“. Nicht zuletzt sind auch Geologie, Flora und Fauna Pablo-Land: Heilsteinkundige kennen den graphisch gemaserten „Picasso-Jaspis“. Farbige Schuppen verhelfen dem „Picasso-Drückerfisch“ zum prominenten Beinamen (wobei er ebenso gut Klee- oder Kandinsky-Fisch hätte heißen können). Picassos Verwurstung ist grausam; aber es geht alles noch schlimmer: Den Altmeister Rembrandt etwa gibt es als Oral-B-Zahnpasta, für Kunstfreunde mit weniger Biss auch in „Sensitive“.

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