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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Haltung in schwerer Zeit Der Kunstmarkt ist tapfer

 ·  Hochspannung in Zeiten des credit crunch: Die Herbstauktionen in New York werden zeigen, wo der Kunstmarkt wirklich steht.

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Die Welt schaut auf ein Datum, am kommenden Dienstag sind die Wahlen in den Vereinigten Staaten. Für die kleine, aber globale und kostenintensive Welt des Kunstmarkts beginnt am Abend davor der Showdown, wenn Sotheby's den Reigen der Prestigeauktionen im New Yorker Herbst eröffnet. Nimmt man einmal nur die unteren Gesamterwartungen der Abendveranstaltungen von Christie's und Sotheby's für Impressionismus und Moderne und, eine Woche später dann, für zeitgenössische Kunst zusammen, kommt man, über den Daumen gepeilt, auf insgesamt gut 1,1 Milliarden Dollar. Eine nicht ganz geringe Summe.

Noch vor einem, ja, einem halben Jahr haben derartige Zahlen mittelhohe Neugier erregt. Jetzt sind sie Anlass für zitternde Hochspannung; denn es geht um viel mehr als ein paar saisonale Schwankungen. Für alle beteiligten Seiten - für die drei Auktionshäuser, die Einlieferer der Kunstwerke und für die, möglichen, Käufer - haben sich die Koordinaten dramatisch verschoben durch das, was schon lautmalerisch zermalmend credit crunch heißt. Den höchsten Stress haben naturgemäß die Auktionsfirmen. Sie haben für begehrte Einlieferungen, als alles vor ein paar Monaten noch anders aussah, weiter Garantien gewährt. Garantiesummen können, ihrem Namen entsprechend und wenn es bestens läuft, auch für das Auktionshaus eine sehr attraktive Abmachung sein.

Im Moment freilich liegen sie als Kröten vor allem Sotheby's im Magen; denn dort ist die Rede von ausstehenden Garantien für mehr als 280 Millionen Dollar, andererseits von einer Kreditaufnahme in Höhe von 250 Millionen Dollar bei der Bank of America. Als Aktiengesellschaft ist Sotheby's notgedrungen relativ transparent. Christie's indessen gehört zum Firmenimperium des französischen Unternehmers und Großsammlers François Pinault.

Wie viel dieses Konglomerat von Luxusgütern wegstecken kann, weiß wohl nur sein Eigentümer selbst. Für Phillips de Pury hat sich das Dilemma insofern verlagert, als man sich ja gerade vom russischen Luxuskonzern Mercury übernehmen ließ, eine aufregende Allianz. Und während die Einlieferer, die hohe Preisideen hegen, derzeit fieberhaft heruntergehandelt werden, könnte für die Käufer schließlich etwas Gutes im Schlimmen liegen: Sie könnten eventuell Spitzenwerke wesentlich günstiger kaufen, als noch vor wenigen Wochen zu erwarten war. Sie könnten. Wenn sie überhaupt noch können.

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Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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