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Auktionen Provenienz ist alles: Die Welfen-Preise purzeln in die Höhe

08.10.2005 ·  Schon zu Beginn der zehntägigen Versteigerung von Kunst und Kunsthandwerk aus dem Besitz der Welfen auf der Marienburg zeichnet sich ab, daß die Gemälde, Möbel, Waffen und Rüstungen aus den Speichern der Burg im grellen Licht des Auktionssaals schwindelnde Höhen erreichen.

Von Sandra Kegel
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Es ist bekanntlich nicht der Welfenschatz, der dieser Tage auf der Marienburg versteigert wird. Den haben die edlen Vorfahren der Prinzen von Hannover schon Anfang der zwanziger Jahre verkauft, was Erich Mühsam spotten ließ: „Ernst August mit zerfransten Nerven / langt nach den letzten Notreserven, / denn schon greift die Verzweiflung Platz: / Amerikan'sche Edeltäter, / nehmt hin das Erbe meiner Väter; / ich schmeiß' ihn fort - den Welfenschatz!“ Doch schon zu Beginn des zehntägigen Spektakels zeichnet sich ab, daß die Gemälde, Möbel, Waffen und Rüstungen aus den Speichern der Burg im grellen Licht des Auktionssaals schwindelnde Höhen erreichen: Nach zwei Tagen schon spielte Sotheby's ein Zwischenergebnis von 13,8 Millionen Euro ein, so viel, wie man für die gesamte Auktion erwartet hatte.

Dreihundert Bieter, zehn Kamerateams, vierzig Fotografen und etliche Journalisten verfolgten den siebeneinhalbstündigen Marathon - mit Philipp Herzog von Wuertemberg und Matrick von Maris am Pult. Top-Los war ein Triptychon aus der Schule von Cranach, über das schon bei der Vorbesichtigung viel gesprochen wurde (und das von einer Hannoverschen Zeitung zum Cranach-Triptychon erklärt wurde, was bei einer Mindesttaxe von 30 000 Euro wahrlich ein Geschenk gewesen wäre). Nach heißem Gefecht ging das Altarbild für 180 000 Euro an norwegischen Handel. Zweitteuerstes Los wurde ein Porträt von Wolfgang Wilhlem Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg, das, geschätzt auf mindestens 9000 Euro, bei 160000 Euro an englischen Privatbesitz zugeschlagen wurde. Ein Ölgemälde von Sir Godfrey Kneller aus dem Jahr 1715, das Salieh Aga, den stattlichen Botschafter aus Tripoli am englischen Hof zeigt, erklomm am zweiten Tag bei einer Taxe von 30000 Euro durch einen hartnäckigen Telefonbieter die achtzehnfache Summe von 540000 Euro - inklusive Aufgeld sind das 653400 Euro.

Eine unbekannte Schöne im Hermelinmantel, hinter der Sotheby's mal die Großfürstin Nathalie von Rußland, mal Marie Feodorovna von Rußland vermutet, brachte es bei geschätzten 30000 immerhin auf 290000 Euro. Wer weiß, welche Entdeckungen da bis zum 15. Oktober noch zu machen sind. Einige Überraschungen erlebte Sotheby's sogar nach der Katalogisierung. Ein Porzellankännchen etwa, das sich bei unbedeutendem japanischen Porzellan versteckt hatte, wurde erst jetzt von den Spezialisten als wertvolles Stück Meißen erkannt, das August der Starke der Kurfürstin Sophie von Hannover geschenkt haben könnte; statt 300 Euro soll es jetzt bis zu 40000 Euro wert sein. Und eine rote Jacke mit Samtweste, die ursprünglich auf 600 Euro geschätzt war, hat, wie man jetzt herausfand, König George IV. 1822 bei seinem ersten Staatsbesuch in Schottland getragen - was den Wert auf bis zu 15000 Euro hinaufschnellen ließ. Freilich wird der Glanz deutsch-englischer Royalty nicht nur dieses Stück weiter in die Höhe treiben.

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