17.03.2007 · „Shrunken Theatre“ hat Kai Schiemenz seine neue Skulptur für die Galerie Fahnemann Projekte in der Berliner Gipsstraße genannt. Seit Jahren baut der Bildhauer Variationen hölzerner Objekte, die Versammlungsarchitekturen auf das Maß eines Ufos zusammenschrumpfen lassen.
Von Wiebke Hüster„Shrunken Theatre“ hat Kai Schiemenz seine neue Skulptur für die Galerie Fahnemann Projekte in der Berliner Gipsstraße genannt. Seit Jahren baut der 1966 in Thüringen geborene Bildhauer Variationen hölzerner Objekte, die Versammlungsarchitekturen auf das Maß einer Sauna oder eines Ufos zusammenschrumpfen lassen. So miniaturisiert passen sich die an Stadien, Arenen, Aussichtstürme, Kinosäle oder Globen erinnernden Modelle an ihren jeweiligen Ort an: Sie werden zum öffentlichen Raum im öffentlichen Raum - ganz nach dem Babuschka-Prinzip.
Die recht roh gezimmerte Behausung „Shrunken Theatre“, die bei Fahnemann 35.000 Euro kostet, löst gleichwohl eine gewisse Scheu im Betrachter aus: Es entsteht ein Gefühl, lieber Abstand von ihr zu halten. Wem oder was begegnet der, der den Eintritt wagt? Wie voll, wie eng, wie laut ist es dort, wie provozierend geht es unter Umständen zu?
Wie in einem Baumhaus
Das geschrumpfte Theater nimmt sein Publikum im intimen, engen Innenraum mit einem Video gefangen: Der Tänzer und Choreograph Peter Pleyer ist so zu sehen, als könnte sein Abbild zwischen zwei nebeneinanderliegenden Projektionsflächen hin- und herwechseln. Die Wirkung ist seltsam: Während der Betrachter sich auf dem hölzernen Sitzrund eher klein macht und fühlt wie in der Kindheit, wenn möglichst viele Freunde noch ins Baumhaus passen sollten, hat der virtuell anwesende Stellvertreter des Künstlers alle Freiheiten, seine Spielflächen zu wechseln.
Warum nun zeigt Schiemenz diesen Tanz in seinem geschrumpften Aufführungssaal? Es gefällt ihm offensichtlich, den Künstler noch einmal in jener barocken Rolle vorzuführen, mit der die Geschichte des Bühnentanzes begann: Als Sonnenkönig. Mit dem Bild des langhaarigen, in einem weißen Rock umhertollenden Tänzers spielt er auf den Beginn der Moderne an, als das bisher distanzierte Verhältnis von Kunst und Betrachter endgültig durchbrochen wurde. Auf die Zusammenhänge von Kai Schiemenz' „Shrunken Theatre“ mit der Kunst des Barock verweist Susanne Prinz im schönen, kleinen Katalog zur Ausstellung.
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