28.03.2006 · Bereits zum dritten Mal sind derzeit bei Shepherd & Derom an New Yorks 79. Straße Gedichte von Alfred Brendel mit Illustrationen von George Nama ausgestellt - ergänzt durch Vorstudien in Form von Gouachen und Bronzeplastiken.
Von Lisa ZeitzDer legendäre Pianist Alfred Brendel, der dieses Jahr seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, sagt selbst, daß er ein Doppelleben führt. Er spielt nicht nur Klavier, er schreibt auch. In den Genuß seiner absurden Poesie kommt wiederum die Kunst. Nach seinen „Teufeln“ und „dreizehn Engeln“ sind nun zum dritten Mal Gedichte von Brendel mit Illustrationen von George Nama bei Shepherd & Derom an New Yorks 79. Straße ausgestellt.
„Vor den Tempelbesuchern/ üben sie Regungslosigkeit / meditieren dreiunddreißig Spielarten der Entzückung / eine Tausendschaft künftiger Buddhas“: Der Künstler George Nama, 1939 in Pittsburgh geboren und derzeit Professor am New Yorker Pratt Institute, hat hier gleich zwei neue Lyrik-Portfolios illustriert, „Poems“ - mit Gedichten von Yves Bonnefoy, Alfred Brendel und Charles Simic - und „Wonders of the Invisible World“ von Charles Simic. Bonnefoy machte einst Brendel auf Nama aufmerksam; Simic, Pulitzerpreisträger 1990, lernte Nama durch Brendel kennen.
Den Illustrationen sind Vorstudien in Form von Gouachen und Bronzeplastiken zur Seite gestellt. Nama formt wächserne Modelle, die dann in Bronze gegossen, unterschiedlich patiniert und teilweise bemalt werden, und er malt Gouachen, oft auf Notenblättern, um zu den passenden Formen zu gelangen, die dann als Radierungen die Gedichte begleiten. So bevölkern kopflose Körper mit spitz zulaufenden Gliedmaßen das Papier, andere ruhen in sich oder laufen in abstrakte Kompositionen über. Die Bronzen haben eine geradezu archaische Aura. (Die Objekte kosten 4800 und 6800 Dollar, einzelne Blätter 650, ganze Mappen 2800 Dollar, Gouachen von 1200 bis 3800 Dollar.)
Brendels Beschreibung von den Buddhafiguren im Tempel scheint genauso auf die Figuren von Nama zuzutreffen: „Nachts jedoch / wenn niemand sie anstarrt / räkeln sie sich / werden aufsässig / füllen den Raum mit Gekeuch / ein Pulverfaß / bereit / den hölzernen Schrein / in Asche zu verwandeln.“ Bevor die Galeristen am Abend die Räumlichkeiten verlassen, prüfen sie deshalb genau, ob der Feuermelder funktioniert.