23.10.2008 · Seine ganze Leidenschaft galt der Stadt Wien: Der Münchner Galerist Michael Pabst rief fast vergessene Avantgarden wieder ins Gedächtnis und setzte Max Oppenheimer ein Denkmal.
Von Swantje KarichIn den vergangenen dreißig Jahren hat der Münchner Galerist Michael Pabst mehr als 120 Ausstellungen kuratiert, widmete sich dem Jugendstil und den Avantgarden der zwanziger Jahre, der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst. Der Sohn des österreichischen Filmregisseurs Georg Wilhelm Pabst – er drehte unter anderen 1925 den Stummfilm „Die freudlose Gasse“ mit Greta Garbo und Asta Nielsen – gründete im Jahr 1976 seine Galerie in der Maximilianstraße und zog dann um in den Stadtteil Haidhausen. Bis heute hat die Galerie dort ihren Sitz.
Kunst als Spiegel der Zeit
Michael Pabsts ganze Leidenschaft galt der Stadt Wien, der Wiener Secession und der aktivistischen Kunstform des Kinetismus. Große Anerkennung erfuhr er mit seinem Werkverzeichnis der Druckgraphik von Max Oppenheimer. In seinem, nur äußerlich an ein coffee-table book erinnernden Band über die „Wiener Graphik um 1900“ erkennt Pabst im Jugendstil eine Bewegung, die der „patriarchalisch und rationalistisch orientierten Gesellschaft die matriarchalen Kräfte der Seele entgegenhält“. Er selbst begründete seine Leidenschaft für die Kunst überhaupt mit den Worten: „Im Wesentlichen ist die Kunst aber Spiegel der Zeit, und sie hat das Zeug, im Experiment spielerisch Lösungen aufzuzeigen“. Am 12. Oktober ist Michael Pabst, wie erst jetzt bekannt wurde, im Alter von 67 Jahren gestorben.