14.04.2009 · In Österreich findet eine komisch-satirische Konferenz der Tiere statt, zusammengerufen von mehr als sechzig Karikatur-Virtuosen.
Von Rose-Maria GroppDie schöne Stadt Krems hat nicht nur eine historische Altstadt, sondern auch eine veritable Kunstmeile, entlang derer sich Kulturelles und Kulinarisches aufs Glücklichste vereinen und wo neben einer Kunsthalle samt ihren Schauräumen für zeitgenössische Kunst seit 2001 auch das Karikaturmuseum Krems steht, „Österreichs einziges Haus für Karikatur, kritische Graphik und Bildsatire“, so die Selbstbeschreibung.
Gebaut hat es der Architekt Gustav Peichl, der übrigens unter seinem Alias „Ironimus“ selbst Karikaturen für die Tagespresse zeichnet. Als Hausgott herrscht dort Manfred Deix, der Pate der scharfsichtigen Boshaftigkeit schlechthin, entsprossen dem nahen St. Pölten; ihm ist eine ständige Schau im Haus gewidmet.
Das Tierische im Menschen
Eben gerade hat im Karikaturmuseum Krems eine Ausstellung eröffnet, die bis in den November hinein mehr als sechzig internationale zeitgenössische Künstler des satirischen Metiers zu einem äußerst reizvollen Thema vereinigt: Man könnte sagen, es geht dabei um ihr Verhältnis zum Tier. Jedoch Tiere blicken da keinen an, sondern eher erschaut jeder Betrachter für sich das Tier - in sich selbst.
„Tierisch komisch!“, so der Titel, hat gar nichts mit gemeinschaftstiftendem Schenkelklopfen zu tun, aber sehr viel mit dem „Animalischen in der Karikatur“, so der Untertitel. Und noch mehr zu tun mit dem Humanum, dem da Spiegel in allen Facetten entgegengehalten werden. Denn das Animalische verlässt gewissermaßen den Tierkörper und kommt auf den Menschen zu - bis dem der Groschen fällt, immer wieder neu vor den vielen, vielen Werken.
Bestandsaufnahme eines Genres
In Krems in der herrlichen Wachau, die als Ganzes Unesco-Welterbe ist, nistet nun diese Blütenlese einer erstaunlichen Fauna, tatsächlich zugleich Bestandsaufnahme eines Genres. Alle sind sie vereint, die ins kollektive Gedächtnis alltäglicher Erheiterung und Sottise, Nachdenklichkeit und Boshaftigkeit eingegangen sind: von Loriots hängeohrigen Hunden, die ihre melonenbekrönten Herrchen vorführen, bis hin zu Manfred Deix' abgründigsten Mensch-Tier-Ungeheuern, von den Frankfurter Zeichner-Königen Robert Gernhardt, Hans Traxler, F.K. Waechter und Bernd Pfarr bis zum Berliner Liebling Michael Sowa und der frauenfreundlich-bissigen Franziska Becker.
Dann gibt es die Knaller aus den Magazinen wie Gerhard Haderer und Horst Haitzinger und die Großmeister wie Paul Flora oder Tomi Ungerer; den genialischen F.W. Bernstein und den stillvergnügten Gerhard Glück, endlich solche Kaliber wie BECK oder Ernst Kahl. Ein rares Gipfeltreffen der Branche eben, untergemischt auch der Nachwuchs, von denen manche schon bestechen wie die Alten, einige noch üben müssen, um in der ganz Hohen Schule ihrer Zunft mitmischen zu können.
Begnadete Maler mit komischem Verstand
Diese „Komische Kunst“ als ernstzunehmende Sparte hat längst ihre Gemeinde, und sie kennt ihre engagierten Sammler. Der Kunstmarkt indessen hat noch keine verbindlichen Preisvorstellungen für diese Originale etabliert, die ihre Schöpfer nicht selten als begnadete Maler offenbaren, denen obendrein die Gabe des Witzes zu Gebote steht: sei es im Miteinander von Bild und Wort, sei es in der schieren Evokation durch die Darstellung, der ein Titel beispringen kann - wie im Fall der Schlangenfrau von Rudi Hurzlmeier, die wie eine der Chimären des Franz von Stuck auf ihrer Lichtung ruht, bis dem Betrachter die Erläuterung „Amazonasforscherin“ das Blut doch ein bisschen gefrieren lässt.
Eine veritable Schikane für den konservativen Markt bauen vor allem die jungen Zeichner ein, wenn sie ihre Inspirationen ins Tagesgeschäft der Zeitungen und Zeitschriften einspeisen, am Rechner als digitale Drucke generiert - wie zum Beispiel Christiane Lokar, die sich kriegerisch „Kittihawk“ (wie der amerikanische Flugzeugträger) nennt und sich mit ihrer Produktionsweise den gewohnten Vorstellungen der Künstlerhand entzieht.
Das Ziel jeder Karikatur ist am Ende immer Aufklärung. Im Museum von Krems kann jeder Betrachter bei dieser Erfahrung lächeln, vollhalsiges Lachen wird sich bei kaum einem einstellen: Der Grat zwischen Schonungslosigkeit und Humor ist eben doch verdammt schmal. Was bleibt, ist die Heiterkeit.
Rose-Maria Gropp Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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