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Pariser Galerien zu Gast in Berlin Seht her, was aus uns geworden ist!

16.01.2011 ·  Gibst Du mir Deine, geb' ich Dir meine: Berlin und Paris rücken bei der dritten Ausgabe ihres Galerieaustauschs noch enger zusammen – zum Auftakt in Berlin.

Von Lisa Zeitz, Berlin
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Zum dritten Mal erleuchtet das Galeriewochenende „Berlin - Paris“, eine Initiative der französischen Botschaft, den dunklen Januar in der Bundeshauptstadt. Von diesem Wochenende an zeigen vierzehn französische Partner internationale Kunst in vierzehn Berliner Galerien, und Ende des Monats dürfen die Berliner ihre Künstler in Paris präsentieren.

Unter den Teilnehmern gab es wieder Änderungen, zum Beispiel ist Esther Schipper dieses Mal nicht dabei, denn sie wird in Kürze ihre neuen Räumlichkeiten am Schöneberger Ufer eröffnen. Auch neugerriemschneider und Giti Nourbakhsch, und auf der Pariser Seite Kamel Mennour fehlen dieses Jahr, dafür gibt es Neuzugänge wie die Berliner Barbara Thumm und Ben Kaufmann und die Pariser Fabienne Leclerc und Dohyang Lee.

Bei Mehdi Chouakri in den Edisonhöfen in Berlin Mitte ist wieder David Fleiss von der Galerie 1900-2000 zu Gast. Die Kooperation „au pied du mur“ ist ein originelles Wagnis mit elegantem Resultat. Wer eintritt, sieht sich gleich zwei erdigen Werken von Jean Dubuffet aus den späten fünfziger Jahren gegenüber, „Topographies Pierres sur chemin“ und „Terre Pierreuse“ die, klassisch gerahmt, in Hüfthohe auf einem kuscheligen weißen Fell hängen, das die ganze Wand überspannt - dabei handelt es sich um eine Arbeit der Schweizerin Sylvie Fleury.

Es ist ein intimer Dialog: Art Brut auf weißem Fell, das ist wie die Schöne und das Biest. Welche Kunst die Schöne ist und welche das Biest, das darf jeder für sich entscheiden, denn beide sind schön, und beide sind biestig. (Die Bilder von Dubuffet kosten 100.000 und 110.000 Euro.) Auf diese Weise kommunizieren noch drei weitere zeitgenössische Künstler mit älteren Arbeiten. Eine in Tusche gezeichnete etruskische Prinzessin und eine Verkündigungsszene von Natalia Gontcharova (je 12.000 Euro), aus ihrer vor-expressionistischen Zeit um 1907, entfalten ihre Wirkung auf einer konzeptuellen, rostroten Wandarbeit von Mathieu Mercier.

Kleine minimalistische Bilder der Pariserin Edda Renouf aus den siebziger Jahren (3000 bis 5500 Euro) sind auf einer mintgrünen Komposition von Gerwald Rockenschaub gut aufgehoben, und gegenüber sind dadaistische Zeichnungen von Francis Picabia (je 190.000 Euro) imposant auf einer Quallentapete von John Armleder präsentiert.

Rebellisches Gehabe aus sehr gutem Hause

Klemm's auf der Brunnenstraße zeigt die Arbeiten von zwei befreundeten jungen Künstlern aus Paris, die beide in Berlin leben. Unter dem Titel „Ritournelle“ sind malerische Collagen von Renaud Regnery zu sehen, der sich mit dem Ornament auseinandersetzt und dabei in verschiedenen Tapeten eine dankbare Grundlage gefunden hat.

Sie beschwören für ihn die Renaissance der Bürgerlichkeit. Mit breiten silbernen oder goldenen Pinselstrichen, Siebdruck, Graffiti oder Schablone schafft er asymmetrische Abstraktionen, durch die hier und da das Lilienmuster einer Strukturtapete durchscheint. Das wirkt so hübsch, als ob der Vandale mit Spraydose gerade in einem dunkelblauen Dufflecoat erwischt wurde und plötzlich klar wird, dass das ganze rebellische Gehabe doch aus sehr gutem Hause kommt (3000 bis 6500 Euro). (Bis 21. Januar.)

Mit Blitzlicht in den Louvre

Die Pariser Galerie „Chez Valentin“ präsentiert daneben Nicolas Moulins Fotoarbeit „Wenluderwind“ von 2009, ein schwarzweißes Bunkerpanorama, das der Künstler aus hunderten von Digitalfotos geschaffen hat und damit eine erstaunliche Balance zwischen abstrakter Komposition und Küstenlandschaft erzielt. Inspiriert haben ihn die unterirdischen Bunker am Atlantik, die durch Erosion ans Tageslicht kommen und aus statischen Gründen bald in sich zusammensacken (Auflage von 3, 7000 Euro). In Klemm's Projektraum läuft Moulins Videoarbeit „Interlicht“, eine postapokalyptische Kamerafahrt durch eine graue Betonwüste, die sich auf Architekturmodelle von Google Earth stützt (15.000, Auflage von 5).

Johann König und der Verleger der Zeitschrift Paradis ermöglichen einen einmaligen Blick in die Galerien des Louvre, denn hier durfte Juergen Teller in einer Nacht 2009 Aktmodelle seiner Wahl ablichten. Er überredete die Schauspielerin Charlotte Rampling und das Fotomodell Raquel Zimmermann und ließ sie neben der Mona Lisa und verschiedenen antiken Marmorfiguren herumstehen (10.000 bis 16000 Britische Pfund, plus Mwst.)

Naturidylle mit Obdachlosen

Die Galerie Natalie Seroussi ist bei Isabella Bortolozzi am Tempelhofer Ufer gegenüber der Neuen Nationalgalerie zu Gast. Sie hat wunderbare Reliefs und Collagen von Kurt Schwitters aus Paris mitgebracht, sowie eine ganze Familie unikater Gipsfiguren von Hans Arp aus der Zeit zwischen 1941 und 1965, die wohlig gerundet und anschmiegsam wirken (Preise von 60.000 bis 200.000 Euro, ein attraktives Relief von Schwitters von 1937 für mehr als 600.000 Euro).

Auch mit ihren Stimmen sind die Künstler präsent, denn in einem der Räume laufen Hans Arps Dada-Sprüche und Kurt Schwitters „Sonata in Urlauten“ neben Aufnahmen von Jean Cocteau, Marcel Duchamp und anderen, die teilweise bis in die zwanziger Jahre zurückreichen. (Bis 26. Februar.) Bei Wentrup präsentiert Frank Elbaz eine Ausstellung seiner Künstler, darunter eine amerikanische Naturidylle mit Obdachlosen fotografiert von Justine Kurland, und Tafelbilder ohne Malerei, aber mit echten Erosionsspuren oder dem Abdruck glühender Kohlen von Davide Balula (16.000 Euro).

Das Gegenteil sind die Objekte von Kaz Oshiro aus Los Angeles, die twie industriell gefertigt wirken, aber immer einen Kern aus Leinwand und Holzrahmen in sich tragen: „Untitled Still Life Painting“ (30.000 Euro.) Besonders beeindruckend sind die mit kabbalistischen Symbolen durchtränkten Arbeiten von Wallace Berman (1926 bis 1976), der seinerzeit in Kalifornien einflussreich war, aber hier erst jetzt wiederentdeckt wird.

Eine vielfach vergrößertes Erbstück

Florent Tosin, der lange bei Carlier Gebauer gearbeitet hat und erst seit wenigen Monaten seine eigene Galerie auf der Potsdamer Straße führt, hat sich mit Michel Rein zusammengetan und führt drei von dessen Künstlern vor: Neben Malerei von Christian Hidaka und einer Installation von Michael Riedel stellt er den in Paris lebenden Bulgaren Stefan Nikolaev, Jahrgang 1970, aus.

Er bezieht sich mit seinen Objekten auf Mythen und Legenden der Kunst, der Geschichte und der eigenen Familie: So hat er den Ring, den er am Finger trägt, in Aluminium und Granit nachgebildet und auf ein Vielfaches vergrößert (12.000 Euro). Das Original ist ein Erbstück seines Großvaters, der als alter Priester beim Liebesakt mit einer jungen Frau an einem Herzinfarkt starb.

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31.05.2012 17:45 Uhr
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