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Hamburger Galerieschau Der Täufer in der Wüste

12.06.2009 ·  Alles mit Rang und Namen: Die Ausstellung „Raffael und Umkreis“ in der Galerie Hans in Hamburg bietet Werke der Renaissance von musealer Qualität.

Von Vita von Wedel, Hamburg
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Sogar die russische Hochglanz-Kunstzeitschrift „The New World of Art“ widmet der Ausstellung „Raffael und Umkreis“ in der Hamburger Galerie Hans einen fünf reichbebilderte Seiten starken Artikel. Dreißig Jahre Vorbereitung stecken in der Schau, „ein vergleichbares Projekt sei für ihn in Zukunft kaum noch denkbar“, sagt Kunsthändler Mathias F. Hans. Ein Großteil sind Blätter der Sammlung Wolf Bürgi (1901 bis 1989), die der Galerist seit Jahrzehnten betreut. In den Räumen am Jungfernstieg, mit allerfeinstem Weitblick über die Binnenalster, versammelt sich nun alles, was in der italienischen Renaissance Rang und Namen hatte.

Gleich dem Eingang gegenüber empfängt den Besucher ein hinreißender Karton der „Heiligen Jungfrau mit dem Christkind vom Heiligen Johanneskind angebetet“, 53 mal 39 Zentimeter messend und Giovanni Larciani, dem „Meister der Kress Landschaften“, zugeschrieben. Das Blatt, das mit keinem bislang bekannten Gemälde in Zusammenhang gebracht werden kann, ist, wie die meisten der Blätter der Ausstellung, über die Zeiten ganz unterschiedlichen Künstlern zugeschrieben worden, darunter Baccio und Fra Bartolommeo, und wird nun dem erst 1998 wiederentdeckten Larciani zugeordnet. Zu den illustren Vorbesitzern zählte auch der holländische König Willem II., zuletzt Flora Koch aus London (Preis auf Anfrage).

„Caesars Triumphzug“ aus der Werkstatt Mantegnas

Im hauptsächlich den Zeichnungen gewidmeten Raum entzückt auch ein 26 mal 23 Zentimeter großes Blatt aus der Werkstatt von Andrea Mantegna (1431 bis 1506): „Caesars Triumphzug“ schmückt sich mit raffiniert gestapelten und gestaffelten Trophäen, Waffen und Rüstungen. Angeregt wurde die Komposition wohl durch Mantegnas Gemälde III der Folge „Triumphzug“, kommt aber auch einer Federzeichnung in der Albertina sehr nahe, die allgemein als Kopie einer verschollenen Vorstudie dieses Themas gilt (2,4 Millionen Euro).

Giorgio Vasari ist mit einer „Heiligen Familie“ in weißgehöhter brauner Feder auf rosa grundiertem Papier vertreten. Obwohl er das Thema oft in Gemälden behandelte, ist dieser Karton keinem von ihnen zuzuordnen. Auch der purpurne Grund ist für Vasari ungewöhnlich, harmoniert aber mit dem Eindruck der zärtlichen Zuneigung, mit der sich Maria über das Kind beugt. Im Louvre wird eine Ausführung dieser Zeichnung aufbewahrt, die der Werkstatt Vasaris zugeschrieben ist (360.000 Euro).

Mit einem Hauch von Rot

Wer Faltenzeichnungen mag, dem wird dieses Blatt gefallen: eine Doppelstudie des heiligen Johannes, mit präzise fallenden Gewandfluten, vom versierten Antikenkopisten Girolamo da Carpi auf nur dreizehn mal acht Zentimeter gebannt (26.000 Euro). Ein Höhepunkt ist Peruginos „Kopf des Heiligen Johannes des Täufers“ in extremer Nahsicht auf 33 mal 24 Zentimetern - Kohle und schwarze Kreide und duftigstes mit roter Kreide hingehauchtes Inkarnat.

Die Beziehung zu Peruginos signiertem und datiertem Tafelbild „Jungfrau mit Kind und mit dem Heiligen Johannes und Heiligen Augustinus“ in der Kirche San Agostino in Cremona ist unbestritten. Das Blatt ist zu den wenigen erhaltenen Zeichnungen zu rechnen (Preis auf Anfrage).

Leuchtender Mittelpunkt von allem ist das monumentale Gemälde „Johannes der Täufer in der Wüste“, das der Katalog „Raffael und Werkstatt“ zuschreibt. Frontal und mit weisend hochgerecktem Arm sitzt Johannes auf einem umgestürzten Baum, nur mit einem Pantherfell, das seine Blöße abdeckt, bekleidet. Thematisch ist es dem Raffael-Johannes im Louvre ähnlich, geht aber in der aus dem dunklen Hintergrund strebenden Komposition darüber hinaus (Preis auf Anfrage).

Bis 30. Juni. Der zweibändige Katalog kostet 29 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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