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Galerierundgang Gutes vom Rhein

12.04.2010 ·  Es gibt zwei Galerienhäuser in Köln und Düsseldorf - mit neuen Mietern und frischen Programmen.

Von Magdalena Kröner
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Wenn in den vergangenen Jahren die Rede davon war, dass „Bewegung“ in die Galerienszene am Rhein komme, hieß dies meist: Bewegung in Richtung Berlin. Doch seit einiger Zeit besinnt man sich in beiden Rheinmetropolen wieder auf ganz eigene Qualitäten: Galerien schließen sich über den Rhein hinweg zu Kooperationen zwischen Köln und Düsseldorf zusammen; die ersten Galeristen, die ihr Glück an der Spree versuchten, kehren zurück - und jüngst gibt es neue Zusammenschlüsse in zwei Galerienhäusern in Köln und Düsseldorf zu melden, die tatsächlich für Bewegung in der Szene sorgen.

Das Galerienhaus an der Schönhauser Straße 8 in Bayenthal gilt bereits seit 2003 als relevante Anlaufstelle für Kunstinteressierte im Kölner Süden. Doch nun sorgen dort neue Mieter für Akzente, die gemeinsam mit der schon ansässigen Galerie von Thomas Zander den Fokus stärker in Richtung junge Kunst verschieben. Im Erdgeschoss residierte, nach dem Auszug von Ann und Jürgen Wildes „Stiftung für Fotografie und Kunstwissenschaft“, die „Alfred Erhard-Stiftung“.

Die Fotostiftungen wanderten nach München und Berlin ab; nun sind Anke Schmidt und Iris Maczollek eingezogen. Die beiden Galeristinnen haben ihre Räume, in denen Rolf Ricke lange Jahre als Erster den Kölnern gezeigt hatte, was die Amerikaner in Sachen Kunst machen, endgültig aufgegeben und präsentieren sich im Kölner Süden mit einer programmatischen Gruppenausstellung. Ambitioniert nennen Sie ihre Einstandsschau „Move on up“ und zeigen Arbeiten von Ludger Gerdes, Fabian Marcaccio, Steven Parrino, David Reed und als Gastkünstler den Bildhauer Wilhelm Mundt.

Eine gekratzte Wolke

Die durchweg in Schwarzweiß gehaltenen Arbeiten verbinden sich durch die Räume hin zu einem Ganzen, mit dem die ehemaligen Galeriemitarbeiterinnen von Ricke ein eigenständiges qualitätvolles Programm markieren wollen. Der coole Auftritt gelingt: So fügt sich etwa Wilhelm Mundts weißglänzender, aus ummantelten Atelierabfällen hergestellter Trashstone „# 490“ (16.000 Dollar), der ebenso giftig wie organisch wirkt, als kraftvolles Pendant zu den verbeulten und geknickten, monochrom-schwarzen Lackgemälden „Creeping Eye“ des 2005 gestorbenen Steven Parrino (Preis auf Anfrage). Beide werden wiederum kontrastiert durch Fabian Marcaccios federleicht auf eine Wand gezeichnete Wolke, die bei näherer Betrachtung aus eingekratzten Spuren aus Pigment besteht (30.000 Dollar).

Der Galerist Michael Wiesehöfer hat im Galeriehaus die Räume bezogen, die zuvor der ebenfalls nach Berlin abgewanderte Rolf Hengesbach besetzte. Wiesehöfer zeigt den 1970 in Kuba geborenen, in Düsseldorf lebenden Künstler Diango Hernández, der offenbar gerade überall in Deutschland entdeckt wird - zuletzt in einer großen Soloschau im Museum für Gegenwartskunst in Siegen. Der Kubaner benutzt unter dem Titel „Museums“ das eigene Werk als Archiv und zeigt etwa die Installation „The Bay of Pigs“, die mit historischen Magazinseiten auf die Kubakrise verweist (28.000 Euro).

„Das Palindrom der Wirklichkeit“

Zuwachs verzeichnet auch ein Galerienhaus in Düsseldorf: das Gebäude einer ehemaligen Rahmenmanufaktur an der Poststraße in der historischen Karlstadt. Hier sind zu den alteingesessenen Mietern - der Galerie Simonis, die seit den achtziger Jahren mit afrikanischer Kunst handelt, Clara Maria Sels, deren Galerie seit 1989 existiert, und Alexander Sies und Nina Höke, die seit sechs Jahren vorort Programm machen - nun Kai Brückners „TZR Galerie“ und Rupert Pfab gekommen. Pfab hatte es nicht weit; er verließ die Räume an der gegenüberliegenden Orangeriestraße, die er von Gaby Kraushaar übernommen hatte, um fortan an der Poststraße Kunst in großzügigerem Umfeld zu präsentieren.

Unter dem Titel „Das Palindrom der Wirklichkeit“ zeigt er neue bühnenhafte Arrangements, die der 1961 in Salzburg geborene Künstler Lois Renner fotografisch inszeniert (17.000 bis 30.000 Euro). Kai Brückners 1997 in Bochum gegründete TZR Galerie übersiedelte bereits 2006 nach Düsseldorf. Brückner zeigte bislang an der Düsseldorfer Elisabethstraße sein Programm zwar zentral, aber durch die ausufernden Arbeiten für eine neue U-Bahn-Linie auch umgeben von lärmenden Baustellen.

Er stellt nun am deutlich ruhigeren Ort die Fotoarbeiten des Niederländers Jan Adriaans vor, die zwischen Dokument und Fiktion changieren. Der 1972 geborene Künstler zeigt Ansichten aus Autowerkstätten, unter anderem in Kairo, die eher wie minimalistische Installationen wirken denn wie Räume, in denen tatsächlich handwerklich gearbeitet wird (Auflage 6; 3400 bis 4400 Euro). Die nächsten Meldungen aus Düsseldorf kündigen sich auch schon an: Dort, wo Rupert Pfab zuvor residierte, wird vom kommenden Herbst an die Berliner Villa Grisebach eine Filiale einrichten und - neben der Dependance des Wiener Dorotheums in der Südstraße - für Bewegung sorgen, was den bislang eher dünn besetzten Auktionsmarkt in der Landeshauptstadt angeht.

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