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Galerierundgang Berlin Boom ist eben nicht gleich Boom Boom

Noch keine Sommerpause für die Kunst: Carol Rama, Bridget Riley, Laurenz Berges, Raoul de Keyser, Alexandra Ranner, Daniel Richter und Rirkrit Tiravanija in in Berliner Galerien.

© Isabella Bortolozzi/Franco Masoero Vergrößern Carol Ramas ein Meter hohes Gemälde „I tarocchi” von 1948 – bei Bortolozzi

Bevor viele Berliner Galerien Sommerpause machen, gilt es noch einige Ausstellungen zu besuchen. Bei Isabella Bortolozzi am Schöneberger Ufer zum Beispiel läuft eine Schau mit Arbeiten von Carol Rama aus den Jahren 1938 bis 2005. „Unsere Louise Bourgeois“ nennt die italienische Galeristin die Künstlerin: Sie wurde 1918 als Tochter eines Fahrradfabrikanten in Turin geboren, wo sie heute noch lebt. Schon in den dreißiger Jahren schockierte sie ihre Umgebung mit Aquarellen, auf denen sie erotische Darstellungen nackter Mädchen mit Tieren, Rollstühlen oder Prothesen kombinierte; spitze Zungen und amputierte Glieder, Sex, Verletzung und Zerfall liegen nah beieinander.

Dass Rama seit den siebziger Jahren Gummischläuche verwendet, lässt sich auf das Geschäft der Familie zurückführen (wie der Einfluss der elterlichen Tapisseriewerkstatt auf Louise Bourgeois). Für ihre „Bricolagen“ hat sie die Schläuche aufgeschnitten und plan auf die Leinwand gelegt oder in schlappen Schlaufen über den Bildgrund gehängt, an anderer Stelle dürfen sie dick und wellig ein Eigenleben entfalten. Ramas Materialien reichen von Kautschuk, Sackleinen oder Leder über Fell hin zu Glasaugen und Nagellack und haben oft einen fetischistischen Charakter. Die jüngsten Arbeiten sind auf historische Architekturzeichnungen und physiognomische Studienblätter gemalt, vorgedruckte Ohren sind mit goldenem Haar umrahmt, ein Blatt mit lauter Mündern bekommt eine kleine Armee flatternder Zungen. (Preise von 10.000 bis mehr als 100.000 Euro.)

Gouachen von Bridget Riley

Max Hetzler richtet in der Zimmerstraße eine sehenswerte Ausstellung mit Gouachen der Londonerin Bridget Riley, Jahrgang 1931, aus. Ihre Serie „Circles Colour Structure Studies“ ist 1970/1971 entstanden und veranschaulicht ihr analytisches Vorgehen beim Entwurf ihrer Bilder, mit Millimeterpapier und Zirkeleinschlag. Das Auge des Betrachters springt von einem starkfarbigen Kreis zum nächsten und versucht, die Gesetzmäßigkeiten der Farben und Muster zu erkennen: Das gelingt zum Beispiel bei der (bereits verkauften) „Red Constant, Blue to Green Series“, in der zwei Reihen von roten Kreisen von konzentrischen Ringen begleitet werden, die sich in präzisen Farbabstufungen von links nach rechts von Blau zu Grün hin wandeln.

asdasd © Isabella Bortolozzi/Franco Masoero Vergrößern Carol Ramas „Lusinghe/Seduction” von 2003, Pastell, Aqurell und Lack auf Papier, 25 mal 35 cm

Die Kontraste lassen die Formen vor den Augen flimmern. „Es ist überaus wichtig, dass jede Form letztlich ihre Eigenständigkeit aufgibt und sich dem Ganzen einfügt. Sie muss vollständig absorbiert werden“, hat Riley sich einmal in Bezug auf diese Serie geäußert. (Die Gouachen kosten 25.000 bis 75.000 Pfund.) Es ist Hetzlers letzte Ausstellung in der Zimmerstraße, künftig konzentriert sich die Galerie ganz auf die Räume in den Osramhöfen im Stadtteil Wedding.

Ein „Chronist der Abwesenheit“

Nebenan in der Zimmerstraße zeigt Barbara Weiss in ihrer Galerie kleine Aquarelle des 1930 geborenen Belgiers Raoul de Keyser. Diese zarten lichten Abstraktionen lassen den Farbpigmenten mit jedem nassen Pinselstrich auf mikroskopischer Ebene freien Lauf, aber ihre reduzierten Formen sind immer durchdacht. Manche wirken fast zögerlich, so zum Beispiel die flaschengrünen und violetten Bögen einer Arbeit aus dem Jahr 2008 oder die hellgrünen und weißen Streifen eines Aquarells von 2004; da ist sogar die Bleistiftvorzeichnung zu erkennen. (Preise von 6000 bis 10.000 Euro. Ein Katalog der Aquarelle kostet 28 Euro.)

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