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Galeriejubiläum Vom Zauber der Bildschöpfung

04.06.2009 ·  Seit dreißig Jahren ist die Galerie zur Stockeregg in Zürich eine Institution für Fotografie. Zum Jubiläum zeigt Kaspar M. Fleischmann eine Ausstellung mit Werken des Koreaners Bien-U Bae.

Von Tilo Richter
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Zuletzt hatte sich der Galerist Kaspar M. Fleischmann einige Jahre zurückgezogen. Zu seinem dreißigsten Galeriejubiläum bringt er nun seine fotografische Schatzkammer an der Zürcher Stockerstraße wieder auf Betriebstemperatur - gerade rechtzeitig, um nach der Unterbrechung an der vierzigsten Ausgabe der Art Basel wieder mit einem hochkarätigen Stockeregg-Stand aufzutreten. Fleischmann gilt nicht nur als einer der wichtigsten Fotogaleristen weltweit, sondern auch als vehementer Verfechter der klassischen, also analogen Fotografie.

In der inzwischen unüberschaubaren Flut digitaler Bilder - von ihm durch die Wortschöpfung „Digigrafie“ fein säuberlich von der Fotografie getrennt - sieht er allerdings auch Chancen: Je umfangreicher das Angebot schlechter und oberflächlicher Abbilder, umso größer und stärker sei die Wirkung wahrer Bilder. Fleischmann vertraut dabei auf das geschulte Auge und sorgt selbst mit seiner drei Jahrzehnte währenden Arbeit für entsprechende Weiterbildung des Sehsinns: Sein Galerie-Portfolio präsentiert die gesamte Bandbreite der Fotografie vom beginnenden 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Mit einem Gespür für Klassiker der Fotografie

Die Besucher der ersten Ausstellung im Frühjahr 1979 begegneten großartigen Landschaftsaufnahmen von Ansel Adams, der heute zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts zählt. Wände und Schubladen der Galerie zur Stockeregg sind seither ein sich permanent wandelndes, dabei lebendiges Kompendium der modernen Fotokunst, das Werke vieler wichtiger Meister vereint: Stadtbilder von László Moholy-Nagy oder die weiten Landschaften von Paul Strand, Objektfotos des legendären Edward Steichen, Sachaufnahmen von Albert Renger-Patzsch, Akte von Brassai oder die einprägsamen Motive von André Kertesz.

Sie alle beherrschten, was Fleischmann für entscheidend hält - die Bildschöpfung -, vom Schauen über die künstlerische und nicht zuletzt handwerkliche Umsetzung des Erlebten hin zum ästhetisch und emotional nachvollziehbaren Motiv: ein Prozess, der im glücklichsten Fall das Gehirn des Künstlers mit dem des Betrachters verbindet. Neben der Präsentation der eigentlichen Kunstwerke engagiert sich Fleischmann auch auf dem Gebiet der Theorie: Er ermöglichte vor zwei Jahren durch Mittel der Dr.-Carlo-Fleischmann-Stiftung die Einrichtung einer Professur für „Theorie und Geschichte der Fotografie“ an der Universität Zürich, aus der in den kommenden Jahren ein eigener Lehrstuhl werden soll.

Begeisterung für Paul Strand

In drei erfolgreichen Händlerjahrzehnten musste fast zwangsläufig auch eine private Sammlung entstehen. So freut sich der Galerist heute über gehütete und bewahrte Schätze der amerikanischen Fotografen-Ikone Paul Strand, für Fleischmann „der Picasso der Fotografie“. Begeistert ist der Sammler von der handwerklichen Perfektion Strands, die dessen Bilder zu „Monumenten“ werden lässt. Und weil er mit dieser Begeisterung für den Künstler nicht allein steht, musste er manches rare Frühwerk ziehen lassen, wie etwa eines von Strands berühmten „Wall Street“-Bildern aus der Zeit um 1915, für das ein anderer Sammler vor vielen Jahren bei einer Auktion hartnäckiger bieten konnte.

Beruhigend wirkt allein die Tatsache, dass das, was Fleischmann in seiner Galerie verkauft, meist in beste Hände gelangt. Zu seinen Stammkunden zählen die wichtigsten öffentlichen und privaten Foto-Kollektionen der Welt, in deren Bestände die Werke gern weitergereicht werden. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Händler auch als Schenker auftritt, indem er die Sammlungen des Kunsthauses Zürich oder des Fotomuseums Winterthur um bedeutende Werke der Fotokunst erweiterte.

Landschaftsaufnahmen von Bien-U Bae

Zum aktuellen Jubiläum greift der Galerist jedoch nicht in die Archivschränke mit Vintage-Fotos der Klassischen Moderne, sondern präsentiert die geheimnisvollen Landschaftsfotografien des koreanischen Künstlers Bien-U Bae. Nebel reduziert den kahlen Kiefernwald in der Nähe des Schreins der Könige der Shilla-Dynastie nah der südostkoreanischen Stadt Gyeongju auf eine beinah schwarzweiße Szenerie.

Die zeitlosstillen fotografischen Bilder im Großformat vermitteln die spirituelle Kraft dieses Orts, gilt doch die Kiefer als Grund der koreanischen Seele. Kaspar M. Fleischmann bringt die Arbeiten des 1950 geborenen Künstlers erstmals in die Schweiz und belegt auf diese Weise einmal mehr seinen wachen Sinn für die wesentlichen Strömungen der Fotografie - in der Geschichte und in der Gegenwart.

Bien-U Bae, „Sacred Wood“, bis 20. Juni.

Quelle: F.A.Z.
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