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Fotografie Neues Leben wird gemalt auf die Ruinen

30.10.2009 ·  Die Trennlinie, die seit 1974 Zypern teilt, ist eine politische ebenso wie eine religiöse: Der Süden ist christlich-orthodox, der Norden muslimisch. Die Fotografin Johanna Diehl zeigt Ruinen verlassener Gotteshäuser auf beiden Seiten. Sie erzählen vom Drama eines Landes.

Von Niklas Maak
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Die Geschichte hat auf beiden Seiten Ruinen hinterlassen. 1974 wurde auf Zypern bei einem Putsch, den die griechische Junta unterstützte, der Präsident gestürzt; es kam zu Pogromen gegen die muslimische Bevölkerung, in deren Folge die Türkei den Norden der Insel besetzte. Was folgte, war ein dramatischer Exodus auf beiden Seiten, von dem noch heute die Gotteshäuser beider Seiten erzählen: Im Südteil sieht man verlassene Moscheen, Leerstellen in der architektonischen Erzählung der Republik. Im türkisch besetzten Norden ging man mit den verlassenen Kirchen oft anders um: Viele wurden zu Moscheen umgewandelt.

Johanna Diehl, die zu den interessantesten Fotografinnen ihrer Generation gehört, hat auf beiden Seiten diese entleerten, un- oder umgenutzten Gotteshäuser fotografiert. Die formale Strenge ihrer Aufnahmen erinnert aber nur auf den ersten Blick an die Becher-Schule; interessant sind sie gerade wegen ihrer erzählerischen Details und Abweichungen von einer Typisierung. Auf einer Ikonostasis ist ein Graffiti aufgesprüht, aus einer anderen wurden die Bilder entfernt.

Die Wirkung des zu Erahnenden

Anderswo werden die Kirchen mit Teppichen ausgelegt, aufgeklebte Linien aus Kreppstreifen weisen Richtung Mekka, die Gebetsnische, die Mihrab, wird einfach auf eine Kirchenwand gemalt. In diesen Ein- und Überschreibungen von Architektur offenbart sich die komplexe politische Geschichte des Landes auf erstaunlich eindringliche Weise. Wie schon in Johanna Diehls Arbeit über Odessa gelingt es ihr auch hier mit einem fast surreal präzisen Blick für minimale formale Details - dem Muster eines Rockes, den Klebestreifen - das individuelle ebenso wie das kollektive Schicksal von Menschen offenzulegen.

Dass diese Menschen meist nicht im Bild zu sehen sind, verstärkt, wie in Filmen von Hitchcock, die Wirkung des zu Erahnenden noch - wie man schon in Diehls Arbeit über „Gefrorene Räume“ sehen konnte: Dort dokumentierte sie die Zimmer von Verstorbenen und andere Orte, die seit Jahren unverändert blieben und in denen sich der Raum schleichend von einer Bühne des Alltags in das Denkmal eines abwesenden Lebens wandelte.

Bis 7. November im Atelierfrankfurt. Ab Januar 2010 wird die Serie in der Galerie Fiebach & Minninger, die Diehl vertritt, in Köln zu sehen sein.

Quelle: F.A.S.
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