Wohin geht dieser Blick? Aus dem Flur der Berliner „18m-Galerie für Zahlenwerte“ fällt er an etlichen graphischen Arbeiten der Malerin Gabriela Volanti vorbei auf ein Motiv, das im nächsten Zimmer genau gegenüber hängt. Der Blick wird fixiert, weil in der Mitte des Bilds eine Leerstelle ist, um die sich wie auseinanderstrebende Pfeile schwarze Segmente arrangieren. Doch beim Herantreten erkennt man, dass hier ein Foto mehrfach zerschnitten und gefaltet wurde, wobei die Falten zusätzlich mit weißem Garn abgenäht wurden.
Die Fotografie zeigt Gabriela Volanti, doch dort, wo das Gesicht gewesen ist, liegt jetzt die Leerstelle, die als Punctum des Bilds alle Aufmerksamkeit bündelt - so dass man die dünn skizzierte und dann wieder anradierte Zeichnung, die sich oben rechts auf einem Blatt befindet, auf dem dann das vernähte Foto montiert wurde, kaum bemerkt. „Autoritratto“ (Selbstporträt) heißt diese Arbeit aus dem Jahr 2005 (1800 Euro), und sie zog damals eine erste Summe aus den Erfahrungen, die die 1969 in Augsburg geborene, seit zehn Jahren in Berlin lebende Künstlerin mit dem ungewöhnlichen Prinzip der Faltung und Vernähung gesammelt hatte.
Die Nähte werden bleiben
Erstmals wird in dieser Ausstellung ausschließlich Volantis graphisches Werk präsentiert - Zeichnungen, die aus der Formensprache ihrer gemalten Bilder entstanden sind und einzelne Elemente weiterentwickeln (je 1800 Euro). Für ihre Faltbilder nutzt sie nicht nur Fotos oder Zeichnungen, sondern auch vollständige Zeitungsseiten, die fächerförmig gefaltet und dann wiederum durch Abnähen fixiert werden (je 1800 Euro).
Der Vorgang des Vernähens ist da ein zerstörerischer, und mit Freude schaut die Künstlerin voraus auf eine Zeit, wenn das dünne Zeitungspapier vergilbt oder ganz verfallen sein wird und nur noch ihre Kunst in Form der Nähte übrig bleibt. Dennoch haben die Arbeiten nichts Destruktives. Mit den Kombinationen mehrerer großformatiger bezeichneter Blätter durch miteinander vernähte Ränder (1400 Euro) schafft Gabriela Volanti Rätsel, die nicht gelöst werden können - weil sie vernäht sind.