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Dreister Diebstahl in Prag Foto ist Kunst!

29.03.2011 ·  Eine Arbeitsversion von František Drtikols „Die Welle“ ist aus einem Prager Museum gestohlen worden. Ein herber Verlust. Der aber auch zeigt, dass die Fotografie im Kunstmarkt angekommen ist. Bei weitem nicht das einzige Zeichen.

Von Freddy Langer
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Geld beweist gar nichts. Aber dass es den Zeitungen bestenfalls noch eine Meldung wert ist, wenn wieder einmal eine Fotografie zu einem durchaus sensationellen Preis verkauft wurde - wie jüngst ein Bild von Thomas Struth für etwa eine halbe Million Euro - ist dies ein deutliches Indiz dafür, dass sich die Fotografie auf dem Kunstmarkt endgültig etabliert hat. Dass damit auch die üblichen Gefahren des Kunstmarkts einhergehen, kann nicht überraschen.

Es wurden Sammler und Sammlungen erfunden, um die dubiose Herkunft mancher Fotografiekonvolute zu verschleiern. Und es tauchten mehr als einmal Arbeiten der Klassischen Moderne auf, die auf alt wirkendem Papier abgezogen und mit romantauglichen Provenienzen versehen waren, sich aber als Fälschungen erwiesen. So wurde dem Künstler Man Ray postum eine Liaison mit der Frau eines Angestellten der Pariser Metro angedichtet, um den Besitz einer Mappe mit dessen Meisterwerken zu erklären - die Fotos seien Man Rays Geschenk an die heimliche Geliebte gewesen.

Entdeckt von der Putzkollone

Bei derlei Betrügereien ging es um Millionenbeträge, und als Hunderte von signierten Fotografien des Amerikaners Lewis Hine auftauchten, die nachweislich erst nach dessen Tod abgezogen worden waren, ermittelte sogar das FBI. Dennoch beobachtete die Fotoszene derlei Fälle nicht ohne eine gewisse Genugtuung: Für sie bestätigte sich darin Wert und Ansehen ihres lange Zeit von vielen eher belächelten Sammelgebiets.

Nur ein dreister Museumsraub fehlte noch auf der Liste: Jetzt wird er aus Prag gemeldet. Aus der Dauerausstellung des Museums für Angewandte Kunst wurde die Aktfotografie „Die Welle“ von Frantisek Drtikol gestohlen - eine Ikone der tschechischen Fotografie am Schnittpunkt von Symbolismus, Jugendstil und Art déco. Die Diebe haben den Abzug offensichtlich während der regulären Öffnungszeit aus dem Rahmen geschnitten. Erst die Putzkolonne bemerkte, dass das Bild fehlt.

Das Museum mag sich damit trösten, dass es sich bei dem Pigmentdruck um eine unsignierte Arbeitsversion handelt und ein ausgearbeiteter Abzug des Motivs aus dem Jahr 1927 im Safe des Hauses liegt. Aber das macht das auf mehrere hunderttausend Euro geschätzte Bild nicht weniger wertvoll und den Fall nicht weniger dramatisch. Die Begehrlichkeiten sind damit vielleicht überhaupt erst geweckt.

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Jahrgang 1957, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

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