Home
http://www.faz.net/-gyz-14y5e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Die Neigungen des Menschen

Der unaufhaltsame Aufstieg eines Paars Tapisserien kam im September 2009 gerade recht, als Ursula Nusser den 25. Geburtstag ihres Auktionshauses in München beging. Vermutlich hatte man zur Feier die Schätzung mit je 10 000 Euro bewusst niedrig gehalten.

Der unaufhaltsame Aufstieg eines Paars Tapisserien kam im September 2009 gerade recht, als Ursula Nusser den 25. Geburtstag ihres Auktionshauses in München beging. Vermutlich hatte man zur Feier die Schätzung mit je 10 000 Euro bewusst niedrig gehalten. Beide ausgezeichnet erhaltenen Wandteppiche tragen das Monogramm des Jan Frans van den Hecke, der zwischen 1660 und 1695 als Teppichwirker in Brüssel tätig war. Eine Darstellung zeigt Apelles, den Hofmaler Alexanders des Großen, beim Porträtieren einer jungen Frau mit Amorknaben; dahinter gibt ein Fenster den Blick in ein Bildhaueratelier frei; denn das übergeordnete Thema heißt "Die Liebe zur Kunst" und gehört zum Zyklus "Die Neigungen des Menschen". Von solchen Genüssen handelt auch das andere Textilbild. Es versammelt Bacchus, der einem Krieger Wein ausschenkt, eine Amme, die ihm die Brust darbietet, und Pomona mit dem Füllhorn. Um beide nahezu vier Meter hohen Werke kämpften in der entscheidenden Schlussphase ein Grüppchen im Saal, das dem Vernehmen nach Russisch sprach, und ein Telefonbieter. Dieser Unsichtbare bekam die Zuschläge für 84 000 Euro und 70 000 Euro unter Vorbehalt. Als Ursula Nusser dann beide Stücke nochmals zusammen und bei 154 000 Euro aufrief, stritten dieselben Interessenten, bis bei 200 000 Euro der Zenit erreicht war, erneut zugunsten des Telefonbieters. Das ist ein ansehnliches Ergebnis auch vor dem Hintergrund jüngster Resultate für Werke van den Heckes. Anfang Dezember 2009 ging in der Schweiz ein auf 40 000 bis 60 000 Euro geschätztes Wirkwerk zurück, ein weiteres verdreifachte im vergangenen Juni in Paris die Taxe mit 97 000 Euro, allerdings inklusive Aufgeld. Brita Sachs

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Berliner Auktionen Das Geschäft mit welkem Ahornlaub blüht

Das Auktionshaus Bassenge bietet alte und moderne Kunst in Berlin an. Mit einer feinen Graphik von Friedrich Olivier soll an vergangene Erfolge angeknüpft werden. Mehr Von Camilla Blechen

22.05.2015, 06:00 Uhr | Feuilleton
Treffen in Brüssel Von der Leyen optimistisch vor Flüchtlingsgipfel

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat vor dem Flüchtlingsgipfel der EU in Brüssel gesagt, sie sei zuversichtlich, dass die Außen- und Verteidigungsminister der EU einen guten Schritt vorankommen werden. Mehr

18.05.2015, 12:17 Uhr | Politik
FC Ingolstadt Der 54. Klub der Bundesligageschichte

Die Bundesligageschichte hat einen weitere Neuling: Der FC Ingolstadt darf sich als 54. Verein in die Ewige Tabelle einsortieren. Der Klub ohne Eigenschaften darf auf größeres Engagement eines Automobilkonzerns hoffen. Mehr Von Christian Eichler, München

17.05.2015, 18:10 Uhr | Sport
78. Geburtstag Tausende Gläubige tanzen Tango für den Papst

Tausende Gläubige auf dem Petersplatz singen Ständchen und tanzen für Papst Franziskus. Er feierte seinen 78. Geburtstag. Mehr

17.12.2014, 16:25 Uhr | Gesellschaft
SV Darmstadt Alles abfeuern, was in der Pipeline steckt

Noch zweimal bis an die Schmerzgrenze gehen. Oder reicht auch einmal? Mit einem Sieg am Sonntag in Fürth kann Darmstadt 98 aufsteigen. Voraussetzung: Kaiserslautern gewinnt nicht in Aue. Mehr Von Michael Eder, Darmstadt

16.05.2015, 06:07 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2010, 15:15 Uhr

Der Strafprozess ist kein Zirkus

Von Reinhard Müller

Auch wenn die Öffentlichkeit an vielen Gerichtsprozessen so wie jetzt am Auschwitz-Prozess in Lüneburg ein reges Interesse hat, darf doch eines nicht vergessen werden: Vor Gericht geht es nicht um mediale Aufbereitung. Mehr 13 16