10.11.2006 · 1918 wurde die königliche Porzellanmanufaktur Berlin verstaatlicht. Jetzt ist die Zeptermarke heruntergewirtschaftet, aber die eben angelaufene Antiquitätenmesse Ars Nobilis dürfte für Aufschwung sorgen - ist doch die Manufaktur Friedrichs des Großen das Generalthema des Aufgebotes.
Von Camilla BlechenBerlins Sorgenkind, der genuin königlichen, 1918 verstaatlichten Porzellanmanufaktur, hat die im Dezember 2003 vollzogene, interimistische Übernahme durch einen Urenkel des letzten deutschen Kaisers, den Prinzen Franz Wilhelm von Preußen, alles andere als gutgetan. Um das voreilig privatisierte Unternehmen vor dem drohenden Konkurs zu retten, erwarb der in Bankgeschäften erfahrene Jörg Woltmann im Februar die heruntergewirtschaftete Zeptermarke. Dem neuen Chef dürfte die eben angelaufene Antiquitätenmesse Ars Nobilis über die erste Hürde hinweghelfen, steht doch die Manufaktur Friedrichs des Großen als Generalthema im Mittelpunkt des diesjährigen Aufgebotes.
Zunächst bezaubern die kostspieligen, „auf allerhöchsten Befehl“ preußischer Regenten gefertigten Prunkvasen: Die Bremer Galerie Neuse offeriert für 220.000 Euro zwei nach 1842 entstandene Exemplare mit fein ausgeführten Veduten. Die Ansicht des Berliner Schlosses basiert auf einem Entwurf des Porzellanmalers Carl Daniel Freydanck, dessen Gemälde der „Brücke bei Glienicke über der Havel“ mit 95.000 Euro beziffert ist.
Porzellan für Joséphine
Ulrich Gronert, einer der erfahrenen Händler Berliner Porzellans, bietet für 48.000 Euro eine ebenfalls mit Bauwerken geschmückte „Französische Form“ von 1840 an. Hans H. Michell aus München bestückt seine Vitrine mit zwei Speisetellern aus dem Service für Napoleons Gemahlin Joséphine, auf denen eine Narzisse und eine exotische Erika erscheinen (je 9500 Euro).
Röbbig (München) hat eine zehnteilige Kombination für den Kaffee- und Teegenuß dabei, die Genreszenen in Eisenrot aufweist und 52.000 Euro kostet, während Angela von Wallwitz mit einem 1774 vermutlich von Friedrich Elias Meyer modellierten Toilettenspiegel brilliert, der 75.000 Euro kostet. Dem weißen Gold von Berlin erweist das von der Galerie Gethmann bereitgehaltene „Eierschalenporzellan“ der Manufaktur Rozenburg (Den Haag) Referenz, darunter eine zweihenkelige Vase mit Seepferdchendekor (19.000 Euro).
„Tropfende“ Smaragde
Mit einer reichen Auswahl kostbarer Silber-Objekte überrascht Sigrid Kleihues Berlin. Ein Angebot origineller Schmuckstücke findet sich bei Almut Wager, darunter eine „Neptun“-Brosche mit Diamanten auf dem Dreizack des Gottes (um 7000 Euro). Das Fünffache dieser Summe müßte in ein Paar Art-déco-Ohrringe mit „tropfenden“ Smaragden investiert werden, das Ulf Breede für 35.000 Euro verkaufen will. Mit Johann Heinrich Tischbeins Selbstporträt im venezianischen Kostüm (320.000 Euro) ist Bernheimer (München) präsent, mit einem Damenporträt vom Neffen des Künstlers (85.000 Euro) die Galerie Frye & Sohn aus Münster.
Zu den Kuriosa zählt ein offenbar beim Transport des Bernsteinzimmers nach St. Petersburg im Jahre 1717 auf Abwege geratener Kopf eines Kriegers, mit dem die Kunstkammer Georg Laue aufwarten kann. Erstmalig in Berlin zu sehen sind bei Sabine Spindler (München) zwei Muster bizarrer „Geweihmöbel“, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem bei Jägern mit aristokratischem Hintergrund Beliebtheit erfreuten.