Einer Höhe von nur sechzehn Zentimetern zum Trotz strahlt der hochstilisiert geformte Terrakottakopf der Djenné-Kultur aus dem Nigerdelta in Mali eine sakrale Monumentalität aus. Der Kopf mit einer über Schädel und Stirn verlaufenden Schlange und mit Hautritzungen zwischen Augen und Ohren, dessen Alter sich durch Thermolumineszenz auf etwa achthundert Jahre bestimmen läßt, ist das Fragment einer nicht überlieferten Figur und beim Brüsseler Galeristen Joaquin Pecci im Rahmen der fünften Ausgabe der Pariser Galerienveranstaltung „Kaos - Parcours des Mondes“ ausgestellt.
Das Alter und das Material des Djenné-Kopfs - die Mehrzahl der gezeigten afrikanischen Stammeskunst-Meisterwerke sind aus Holz und stammen aus dem 19. Jahrhundert - und sein Preis von weniger als 10 000 Euro bilden eine Ausnahme auf einem Marktsektor, der spätestens seit der Auktion der Sammlung Vérité im Juni explodiert. Ein schönes Exemplar der kaolinweißen Masken der Punu beispielsweise wechselte beim Kanadier Jacques Germain gleich zur Eröffnung für einen sechsstelligen Betrag den Besitzer. Die Millionenzuschläge der Vérité-Sammlung, so Jacques Germain, haben eine neue Klientel auf den Plan gerufen und die Preise in die Höhe getrieben.
Auch in diesem Jahr haben sich zu der informellen Pariser Messe für afrikanische, ozeanische, präkolumbische und ostasiatische Kunst fünfundfünfzig Händler aus neun Ländern, davon etwa die Hälfte aus Frankreich, für fünf Tage in den Galerien von Saint-Germain-des-Prés eingemietet. Während das Musée du Quai Branly die Kunst der außereuropäischen Kulturen immer populärer macht, erreichen deren Meisterwerke bald unerschwingliche Höhen.