11.03.2010 · Schlechtere Umsätze und Entlassungen, aber eine Steigerung bei den Privatverkäufen: Die Jahresbilanzen der großen Auktionshäuser Christie's und Sotheby's von 2009 offenbaren Einbußen von Dubai bis nach New York. Nur die Franzosen verzeichnen Zuwächse.
Von Lisa ZeitzChristie's hat 2009 rund 3,3 Milliarden Dollar umgesetzt, das sind 35 Prozent weniger als 2008. Sotheby's hinkt mit rund 2,8 Milliarden Dollar hinterher, was einen Einbruch um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Dem Umsatz von Christie's kommt dabei natürlich vor allem die spektakuläre Auktion der Sammlung Pierre Bergé und Yves Saint Laurent zugute, die vor einem Jahr in Paris mehr als 443 Millionen Dollar generierte. Für beide Auktionshäuser spielen Privatverkäufe eine immer größere Rolle: Auf diesem Sektor konnte Christie's ungefähr wie im Vorjahr 417 Millionen Dollar verbuchen, während Sotheby's mit privaten Geschäften sogar eine Steigerung um 27 Prozent auf 473 Millionen Dollar erzielte.
Als öffentlich gehandelte Aktiengesellschaft sind die Zahlen bei Sotheby's transparenter als bei der privat geführten Konkurrentin Christie's. So ist ersichtlich, dass Maßnahmen wie Entlassungen (rund fünfzehn Prozent des weltweiten Personals) und andere Einschnitte der laufenden Kosten bei Sotheby's eine Summe von 185 Millionen Dollar eingespart haben. Außerdem hat der Verzicht auf riskante Garantien eine Ersparnis von 77 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr gebracht, eine Erinnerung daran, dass die Verträge für die Herbstauktionen 2008 noch vor der Wirtschaftskrise geschlossen wurden und später die ausgezahlten Garantien die Auktionshäuser teuer zu stehen kamen.
Vermehrt Online-Gebote
Diese Praxis wurde 2009 vermieden. Die Nettoeinkünfte von knapp 74 Millionen Dollar im letzten Quartal seien im Vergleich zu anderen vierten Quartalen von Sotheby's die zweithöchsten Ergebnisse in der Geschichte des Hauses, freut sich Direktor Bill Ruprecht: „Zwei Faktoren haben diese erstaunliche Leistung ermöglicht: die starke Verbesserung der Kommissionsmarge und unser strenger Blick auf die Kosten.“ Christie's veröffentlicht keine vergleichbaren Zahlen, allerdings wird hier ein Blick auf die geographische Entwicklung der Käuferschaft ermöglicht: Chinesische Käufer haben bei Christie's 94 Prozent mehr ausgegeben als 2008.
Während russische Käufer zwar dreizehn Prozent mehr Lose erwarben, haben sie dafür aber weniger Geld ausgegeben. „Die Konjunkturaussichten sind zuversichtlich und werden getragen von der wieder erstarkenden Dominanz von privaten Käufern aus Nord- und Südamerika, dem Nahen Osten sowie dem chinesischen Festland und Asien“, erklärte Christie's-Direktor Edward Dolman. Der Trend zum Internetgebot hat sich weiter verstärkt: Bei Christie's wurden dreißig Prozent aller Gebote online übermittelt, und vierzehn Prozent aller Zuschläge erfolgten online.
Einbruch bei der zeitgenössischen Kunst
Bis auf Paris haben alle Filialen von Christie's Einbußen erlitten: In den Vereinigten Staaten wurden 941 Millionen Dollar umgesetzt, die Hälfte im Vergleich zu 2008, an der Londoner King Street waren es 707 Millionen Dollar, ein Verlust von 57 Prozent, in der Schweiz 101 Millionen Dollar, das sind 17 Prozent weniger. Am schlimmsten traf es Dubai, hier ist der Umsatz um 62 Prozent auf zwanzig Millionen Dollar geschrumpft. Nur Paris hat sich dank Yves Saint Laurent um 185 Prozent auf 612 Millionen Dollar gesteigert.
Der weitaus stärkste Einbruch ist in der Kategorie der zeitgenössischen Kunst festzustellen: Der Umsatz von Christie's ist hier auf 387 Millionen Dollar gesunken, das sind 65 Prozent weniger als 2008. Auf dem Treppchen der umsatzstärksten Abteilungen nimmt Contemporary Art damit nur noch den dritten Platz ein. Den ersten Platz besetzt wieder die Abteilung Impressionismus und Moderne mit 786 Millionen Dollar, das bedeutet aber ein Minus von 34 Prozent. Den zweiten Platz nimmt die Kategorie Asiatische Kunst ein, die 416 Millionen Umsatz zu verbuchen hatte, also minus 39 Prozent.
Warhols „200 One Dollar Bills“
Die geringsten Einbußen von neun respektive sieben Prozent hatten die Abteilungen Alter Meister (mit 285 Millionen Dollar) und Bücher und Manuskripte (mit 47 Millionen Dollar) zu beklagen. Eine Kategorie schließlich verzeichnete ein Plus von 115 Prozent: Die Christie's-Abteilung „20th Century Decorative Arts“ erreichte einem Umsatz von 122 Millionen Dollar, was allerdings vor allem der Laurent-Collection zu verdanken ist. Unter den Zeitgenossen ragt bei Christie's in der New Yorker Herbstsaison Peter Doigs Gemälde „Reflection (What does your soul look like?)“ mit zehn Millionen Dollar hervor, während Christie's in London Martin Kippenbergers „Paris Bar“ für 3,7 Millionen Dollar versteigern konnte.
Auf dem Gebiet der Zeitgenossen hat Sotheby's die größeren Erfolge vorzuweisen, vor allem mit Warhols monumentalem Siebdruck „200 One Dollar Bills“, der mit knapp 44 Millionen Dollar die New Yorker Herbstauktionen anführte. Auch Giacomettis „L'homme qui chavire“ aus der Sammlung Newhouse brachte Sotheby's im Herbst beachtliche 19,3 Millionen ein. Dass sich die Firma seit Februar 2010 mit dem Hundert-Millionen-Dollar-Giacometti aus der Sammlung der Dresdner Bank schon wieder „das teuerste Kunstwerk aller Zeiten“ auf die Fahnen schreiben kann, ist nicht nur eine gute Nachricht für die Aktionäre von Sotheby's, sondern setzt auch ein positives Signal für den Kunstmarkt 2010.