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Türkische Kunst Im Klammergriff des Westens

27.02.2009 ·  Ein neuer Markt? Das Auktionshaus Sotheby's hält in London eine Auktion nur mit türkischen Künstlern ab - von der Moderne bis zur Gegenwart.

Von Swantje Karich
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China, Indien, Russland und nun die Türkei - die Ausweitung des globalen Kunstmarkts wurde in den vergangenen Jahren immer wieder beschrieben. Und die Suche nach neuen Märkten geht trotz Finanzkrise weiter. Das Auktionshaus Sotheby's hält im März seine erste Auktion nur mit türkischer Kunst ab - aber nicht im Land selbst, sondern in London.

Denn auch die Sammler in der Türkei sehen es gern, wenn die Künstler mit der Teilnahme an einer Londoner Auktion geadelt werden: Eine Versteigerung in Istanbul würde nicht annähernd den gleichen Prestigegewinn bedeuten. Und das, obwohl sich am Bosporus in den vergangenen Jahren eine lebendige Galerienszene entwickelt hat, sich auf internationalen Messen zunehmend erfolgreiche türkische Künstler wie Kutlug Ataman oder Ayse Erkmen finden. Seit 2006 gibt es die „Istanbul Art Fair“, die dieses Jahr für den 3. bis 6. Dezember angesetzt ist. Im Jahr 2010 wird Istanbul Europäische Kulturhauptstadt sein - auch das wird den Markt weiter öffnen.

Vorbesichtigung in Istanbul

Und nun will also auch Sotheby's seine Chance nutzen und hat am Bosporus ein Büro eröffnet, zeigte dort schon eine Auswahl der Kunstwerke. Sotheby's ist damit das einzige internationale Auktionshaus, das unmittelbar in den türkischen Markt eingreift. Ali Can Ertug, Senior Vice President von Sotheby's, erhofft sich neues Potential: „Die aufnahmefähige Kunstszene von Istanbul und die populäre Biennale haben diese Premiere mit zeitgenössischer türkischer Kunst auf dem internationalen Markt möglich gemacht.“

Doch der Blick in den Auktionskatalog ist vor diesem Hintergrund mehr als überraschend. Dort finden sich keine Biennale-Künstler. Die 73 Lose mit Malerei, Fotografie, Skulpturen und Installationen von 53 Künstlern der Moderne bis hin zur Gegenwart werden insgesamt auf 1,2 Millionen Pfund geschätzt. Es zeigt sich, dass meist nur jene Werke überzeugen, die nicht danach streben, einen westlichen Stil nachzuahmen.

Ein Primat hinter Gittern

Zu den originär türkischen Künstlern gehört Mehmet Güleryüz: Er wurde 1938 in Istanbul geboren und studierte dort Malerei. 1968 protestierte er mit seiner Skulptur „Crated Monkey“ gegen die repressive Politik in der Türkei: Einen 220 Zentimeter großen roten Affen aus Holz hat er unbeweglich in ein Kastengitter geklemmt. Das Spitzenlos der Auktion ist Mubin Orhons Gemälde ohne Titel aus dem Jahr 1961, das auf 60.000 bis 80.000 Pfund geschätzt ist.

Die instabile politische Lage in den siebziger Jahren und der Militärputsch im Jahr 1980 hatten die türkische Gegenwartskunst verändert und die Arbeit der Künstler im Land nicht gerade erleichtert. Auch der Zeichner Yüksel Arslan lebt in Paris. Er hat seinen ganz individuellen Ansatz gefunden: den schwarzen Humor.

Sein Frühwerk von 1965 „Arture 85“ hat er mit Erde, Stein, Tabak, Blut und Urin aufs Blatt gebracht, wie auch „Maison des Schizophrénies“ aus dem Jahr 1997. Bei der aktuellen Kunst ist die Vorbildfunktion des Westens eindeutig: So hat Francis Bacon Pate gestanden bei Mustafa Horasans unbetiteltem Gemälde aus dem Jahr 2007 (Taxe 10.000/15.000 Pfund).

Schmerzlos soll die Kunst sein

Insgesamt bleibt bei dieser heterogenen Auswahl offen, welche Kriterien die Kunstwerke in die Auktion gebracht haben; ein Querschnitt durch die türkische Kunstgeschichte jedenfalls ist das nicht. „Die türkischen Sammler interessieren sich in erster Linie für französischen Impressionismus“, sagt Necmi Sönmez, ein Kenner des türkischen Kunstmarkts. „Da ist es schwer, Passendes zu finden. Grundsätzlich mögen sie schmerzlose Kunst.“ Sönmez bemängelt außerdem, dass einige der Künstler relativ unbekannt seien und noch kaum Galerieerfahrung hätten.

Wenn der Tag der Auktion gekommen ist, wird sich zeigen, ob sich der Einstieg für Sotheby's lohnt und ob es in Zeiten der Krise überhaupt Interessenten an dieser Kunst gibt. Ein Anfang für die türkische Kunst ist es auf jeden Fall. Die Maßstäbe der hoffentlich zweiten Auktion müssen dann wohl noch angehoben werden.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Feuilleton.

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