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Sherlock Holmes Renditeobjekt

09.07.2010 ·  Eine Erstausgabe mit der ersten Geschichte von Sherlock Holmes soll Rekorde brechen. In London versteigert Sotheby's Arthur Conan Doyles „A Study in Scarlet“ mit persönlicher Widmung.

Von Peter Rawert
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Man kann das kleine Paperback-Heftchen im Oktavformat und mit nicht einmal 140 Textseiten die Geburtsurkunde der beiden größten Serienhelden der englischen Literatur nennen: Sherlock Holmes und Dr. John H. Watson. Im Jahr 1887 als Band in der Reihe „Beeton's Christmas Annual“ erschienen, gilt es heute als das teuerste Magazin der Welt: 2004 und 2007 erzielten zwei Exemplare in New York jeweils mehr als 150.000 Dollar. Beide waren vom Zahn der Zeit angenagt. Jetzt sollen alle Rekorde fallen. Für eine Taxe von 290.000 bis 460.000 Euro will Sotheby's am 15. Juli in London ein weiteres Heft zuschlagen. Diesmal ist es in nahezu makellosem Zustand.

Lediglich ein paar Anzeigenseiten wurden entfernt, als man es um 1914 in einen Maroquin-Halbledereinband schlagen ließ, übrigens bei keinem Geringeren als dem famosen Buchbinder Joseph William Zaehnsdorf. Und damit nicht genug: Arthur Conan Doyle hat es persönlich signiert und in ihm vermerkt: „Das ist mein allererstes selbständiges Buch, das je veröffentlicht wurde.“ Von den weltweit ohnehin nur 31 in der Liste des Conan-Doyle-Spezialisten Randall Stock erfassten und überwiegend im Eigentum von Universitätsbibliotheken befindlichen Exemplaren des Weihnachts-Magazins ist lediglich ein weiteres mit seiner Unterschrift bekannt. Aus einer dritten mit Widmung versehenen Ausgabe, die sich im Besitz der Beinecke Library in New Haven befindet, haben Diebe 2003 das Autograph herausgeschnitten.

Das Manuskript zu „A Study in Scarlet“ - hierzulande auch unter dem Titel „Eine Studie in Scharlachrot“ oder „Späte Rache“ bekannt - entstand im Frühjahr 1886 in nicht einmal drei Wochen. Ihm sollten im Laufe der Jahre drei weitere Romane und 56 Kurzgeschichten über den „Beratenden Detektiv“ und seinen einstmals als Militärarzt im kriegerischen Afghanistan verwundeten Freund und Partner folgen. Ungezählt sind ihre Auflagen, Verfilmungen und Adaptionen. Weltweit sorgt eine unverdrossene Fangemeinde für anhaltende Nachfrage.

Als Doyle Holmes und Watson schuf, arbeitete er selbst noch als Arzt in Southsea unweit von Portsmouth. Verschiedene Verleger hatten den Druck der ersten Geschichte über das kriminalistische Genie mit der Hakennase, der Lupe und seiner exaltierten Deduktionsmethode abgelehnt. Im September 1886 gelang es Doyle jedoch, Ward, Lock & Co. in London dafür zu interessieren. Doyle selbst hat später eingeräumt, dass das Haus eher im Ruf stand, billige Prosa und Sensationsliteratur zu vertreiben. Nur mit einigen Schwierigkeiten konnte der Autor ein Pauschalhonorar von 25 Pfund für alle künftigen Verwertungsrechte durchsetzen. Als sein Roman im November 1887 erschien, war er anfangs zusammengebunden mit zwei weiteren kurzen Stücken anderer Autoren. Der Preis für das gesamte Heft betrug einen Schilling. Wer hätte eine solche Rendite erwartet?

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