28.03.2011 · Nach dem Dorotheum bietet jetzt auch Im Kinsky Werke aus der Sammlung von Rudolf Leopold an. Fast alle wichtigen Lose des Angebots kommen aus der Sammlung des verstorbenen Schiele-Experten. Die Vorschau auf das Angebot in Wien.
Von Nicole Scheyerer, WienDas Sammeln von Kunst war sein Lebensinhalt, und diese Besessenheit beschränkte sich bei weitem nicht auf das Wiener Fin de siècle: Der im Vorjahr gestorbene Schiele-Experte Rudolf Leopold erwarb auch Altmeisterliches, bemalte Bauernschränke, Glas oder gotische Mörser. Während die Leitung des als Privatstiftung geführten Leopold Museums gerade über Verkäufe zur Schuldendeckung nachdenkt, kommen bei den nächsten Auktionen von Im Kinsky rund 250 Lose aus der Sammlung Leopold zum Aufruf.
Das Dorotheum erzielte mit Bildern und Antiquitäten aus der Privatkollektion des Augenarztes schon vergangenen Dezember gute Ergebnisse. Fast alle Höhepunkte der Kunstauktion am 29. und 30. März tragen das Gütesiegel „Provenienz Sammlung Leopold“. Insgesamt kommen 902 Lose zum Aufruf, Alte Meister, 19. Jahrhundert, Klassische Moderne, Zeitgenossen und Antiquitäten.
Klassizistische Eleganz zeichnet das Gemälde „Venus und Cupido in einer Landschaft“ des Sizilianers Giacinto Calandrucci, ein Schüler von Carlo Marratta, aus (Taxe 100.000/200.000 Euro). Mit Gemälden und Fresken schmückte Calandrucci im späten 17. Jahrhundert römische Bauwerke; auf dem hundert mal 130 Zentimeter großen Ölbild gewährt eine strenge Liebesgöttin ihrem dynamisch gemalten Sohn Einhalt.
Zur Göttin Minerva und den Musen auf dem Helikon führt ein Gemälde, das Gerard de Lairesse zugeschrieben wird (25.000/ 50.000). Aus den Niederlanden stammt auch Bartholomeus van Bassens Interieur einer Renaissancekirche, dessen gekonnte Perspektive überzeugt (60.000/ 100.000), sowie die tonal gemalte „Flusslandschaft mit einem mehrstöckigen Wirtshaus“ aus dem Spätwerk von Jan van Goyen (70.000/120.000).
Ein Blick in die Franziskanerkirche zu Salzburg
Wie unter Scheinwerferlicht strahlen die Köstlichkeiten, die Ferdinand Georg Waldmüller in seinem farbstarken „Stillleben mit Austern, Fischen und Südfrüchten“ auftürmt. Selten hat der Biedermeiermaler solch exotische Objekte für seine Nature Morte gewählt, deren Oberflächentexturen - etwa des Muschelfleisches - er naturgetreu übersetzt. Für das zuletzt von Rudolf Leopold erworbene, 48 mal 38 Zentimeter große Gemälde, werden 150.000 bis 250.000 Euro erwartet.
Auch den „Wiesenblumenstrauß“ von Marie Egner kaufte einst der Sammler (20.000/40.000). Einen detaillierten Blick in das „Innere der Franziskanerkirche zu Salzburg“ samt Chorraum gewährt Rudolf von Alts 1887 datiertes Ölbild (35.000/70.000). „Der hohe Steinberg bei Berchtesgarden“ wird in Friedrich Gauermanns Kleinformat hochsommerlich dargestellt (25.000/50.000).
Ein Tafelaufsatz mit kaiserlichem Monogramm
Den Katalog der Klassischen Moderne schmückt eine Stadtansicht von Wilhelm Thöny, der in dem pastosen Kleinbild „Graz“ seine Heimatstadt malte (18.000/ 30.000). In ein pastellfarbenes Paradies tauchte die Tiermalerin Norbertine Bresslern-Roth 1976 die „Leguane auf den Galapagos-Inseln“ (25.000/40.000).
Die Verbindung von Farbflächen und gestischer Malweise bestimmt die Handschrift von Markus Prachensky, von dem in der zeitgenössischen Offerte sieben Werke zum Aufruf kommen. Darunter das Gemälde „Etruria Orizontale - 1“, das Farbbalken tropfend konfrontiert (35.000/50.000). Auf einem großen Bild von 1980 zeigt sich Herbert Brandl 1980 offensiv als „Neuer Wilder“ (30.000/50.000). Von Hermann Nitsch wird ein lilafarbenes, zwei mal drei Meter großes Schüttbild geboten (40.000/ 70.000).
Ein um 1870 von J. & C. Klinkosch gefertigter Tafelaufsatz aus teilvergoldetem Silber kommt bei den Antiquitäten mit Monogramm von Kaiser Franz Josef zur Schätzung von 10.000 bis 20.000 Euro zum Aufruf. In Lausanne entstand um 1760 ein Paar Silberkandelaber mit Muscheldekor (25.000/45.000). Ein weiteres Spitzenlos ist der 105 Zentimeter hohe „Heilige Bischof“ aus der Schule Hans Klocker. Er ist auf 18.000 bis 35.000 Euro geschätzt.