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„Pop Culture“ in New York Sprengstoff aus dem zwanzigsten Jahrhundert

03.06.2009 ·  Kommunikation ist das Zauberwort: Von Cobains Bassgitarre bis zu John Lennons Plastikbrille vereint eine Auktion bei Christie's in New York Sammlergut der „Pop Culture“.

Von Tobias Rüther
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Alles, was mich aus der Galerie herausbringt, hat der amerikanische Zeichenkünstler Raymond Pettibon vor einiger Zeit gesagt, macht mich glücklich. Der Kalifornier, heute ein Liebling der Sammler, hatte Ende der siebziger Jahre als Plakatmaler für die Punkband seines Bruders begonnen. Seine Flyer für „Black Flag“ klebten an Ampeln und Lampen in und um Los Angeles, sichtbar im Passieren, schnell, direkt; Kunst, auf die zufällig der Blick fällt.

Und auch wenn Pettibons Gebrauchswerke fehlen, wenn Christie's am 23. Juni in New York Sammlergut der „Pop Culture“ versteigert: Er fällt mit seiner Liebe zu Baseballsammelkarten und Heftchen, mit seinem Bekenntnis zum Alltag als Ort der Kunst genau in die Sparte von „Uni-Brow“, wie es im Vorwort des Katalogs propagiert wird. Nicht high-brow oder low-brow, weder Ernstes noch Unterhaltendes steht also hier zum Verkauf, sondern Werke, die irgendwo dazwischen zu Hause sind.

Kurt Cobains Bassgitarre

Und das sind, um mit den teuersten Stücken der Versteigerung anzufangen: eine Bassgitarre des toten Kurt Cobain von der Rockband Nirvana, geschätzt auf 40.000 bis 45.000 Dollar, ein versiegeltes Album der Beatles (Taxe 30.000/ 40.000 Dollar) und naturgemäß bei solchen Versteigerungen auch handschriftlich Gedichtetes von Bob Dylan (20.000/25.000). Am schönsten aber sind einige Notizhefte, in die Bon Scott, der legendäre, bereits verstorbene Sänger der Hardrock-Band AC/DC, seine Texte zu „T. N. T“ oder „She's Got The Jack!“ schrieb. In Schönschrift, garniert mit einer üppigen Frauenzeichnung (20.000/30.000).

Diese Stücke fallen allerdings mehr ins Beuteschema leidenschaftlich sammelnder Fans: Reliquien, berührt und signiert von der Hand ihrer Stars. Interessant ist, wie sich zwischen den Objekten Verbindungen schlagen lassen quer durch die Subkultur der vergangenen vierzig Jahre: von den Protestplakaten der französischen Situationisten aus dem Pariser Mai '68 hin zu den Postern des englischen Graphikdesigners Peter Saville und seines Plattenlabels Factory. Saville war wie seine Mitstreiter im Manchester der späten siebziger Jahre ein Anhänger des situationistischen Theoretikers Guy Debords und dessen Idee des Driftens im Fluss der Reize.

Aus Warhols Factory

Vom Plattenlabel Factory, das als Club begann - zu sehen gleich an mehreren Werbeplakaten von Saville und anderen, die bei Christie's versteigert werden -, geht es, wohin sonst?, zur berühmten Factory in New York von Andy Warhol: Der ist selbst vertreten mit seinen Bananen für die Band Velvet Underground (10.000/15.000), zwei signierten Ausgaben des Magazins „Interview“ von 1984 (1000/1500) und auch in Form seiner Muse Blondie, die mit zwei Porträtfotos dabei ist, eines davon ist signiert.

Kommunikation, so verspricht das Katalogvorwort, ist das Zauberwort dieser universell eingeebneten Popkultur: Kommunikation, die sich ergibt zwischen den Generationen, zwischen Baby-Boomern und Neopunks der Bush-Jahre, aber auch zwischen den Formaten: schwarzweiße Porträtfotografie aus den Schreinen der Studioära Hollywoods - Clark Gable, Greta Garbo, Gary Cooper -, eine Zeichnung von Matt Groening, der die Simpsons erfand (600/800), eine grüne Plastikbrille von John Lennon, verschreibungspflichtig, wie der Katalog penibel anmerkt, und taxiert auf 3000 bis 5000 Dollar, zwei Originalflaschen der als „ikonisch“ etikettierten Marke „Absolut Vodka“ (je 2000/3000), ein Acrylbild, das Keith Mitchell vom amerikanischen Meistermotorradfahrer Evel Knievel malte, ein Akt von Madonna Ciccone, Spielzeugfiguren, Lederjacken, Kostüme aus dem „Raumschiff Enterprise“: Die Koordinaten dieser Auktion legt nicht unbedingt eine vage aufgewertete Popkultur fest, sondern der Materialreichtum des Westens.

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Jahrgang 1973, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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