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Moderne und Gegenwartskunst Nur mit Maske zum Dienst

08.06.2011 ·  Zum ersten Mal trennt das Auktionshaus Karl & Faber Moderne und Zeitgenossen von der Alten Kunst. Eine Graphik von Edgar Degas führt das Angebot an. Ein Blick in die Kataloge.

Von Brita Sachs, München
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Wegen deutlicher Zunahme der Einlieferungen an moderner und zeitgenössischer Kunst widmet Karl & Faber in München dieser Sparte am 10. und 11. Juni erstmals eigene, von der Alten Kunst getrennte Auktionstage. Seinem einschlägigen Renommee entsprechend flatterte dem Haus vor allem Kunst auf Papier ins Angebot: zum Beispiel das kapitale Degas-Blatt zweier Frauen bei der „Toilette après le bain“, gezeichnet mit Kohle, versehen mit dem roten Stempel des Nachlasses, aus dem es 1919 versteigert wurde. Dass der Katalog von damals die Zeichnung abbildet, ist ein Glücksfall für Anhänger solider Provenienzforschung: Im Jahr 1937 wurde das Blatt in Paris gekauft, seither weitervererbt und kommt jetzt für geschätzte 70.000 bis 100.000 Euro wieder auf den Markt.

Einen deutlichen Schwerpunkt, auch bei der Malerei, setzt deutsche Kunst der Klassischen Moderne. Darunter Lovis Corinths vor Temperament strotzendes, fast abstraktes „Stilleben mit Fischen“ (Taxe 80.000/90.000 Euro) und Gabriele Münters „Dorfstraße mit Fuhrwerk“ von 1938, die sie ausnahmsweise nicht in Bayern malte, sondern bei der Verwandtschaft an der Jagst; auf 90.000 bis 120.000 Euro lautet die Erwartung für ihr Ölbild mit Nachlassstempel.

Höher, nämlich auf 160.000 bis 180.000 Euro, will Alexander Kanoldts frühes Stillleben, eine farbenfrohe Ansammlung von Büchern, Krügen und Tassen in bester neusachlicher Qualität. Lyonel Feininger, gerade zum Auktionsheld in Paris geraten und neuerlich in den Fokus gerückt durch eine soeben in München gastierende Ausstellung seiner Zeichnungen und Fotografien aus Harvard, liegt gut im Rennen mit der gelb und blau kolorierten Federzeichnung „Ankunft der Bark“ von 1932 (40.000/ 50.000). Seit den späten Zwanzigern in Familienbesitz, kommen jetzt Orchideenblüten in Violett und Orange auf den Markt, die Nolde auf blauen Grund aquarellierte (60.000/80.000). Blumenmeister Rohlfs trägt „Sternblüten“ (11.000) und „Rote Tulpen“ (25.000/30.000) zum Strauß bei.

Beim Thema Provenienz punktet auch das Aquarell „Moor im Herbst“; denn Schmidt-Rottluff widmete es dem großen Essener Museumsmann „Ernst Gosebruch zum 80ten“ (30.000/40.000). Aus der Sammlung Reinhard Piper stammt Kubins lavierte Federzeichnung von König Ludwig II. von Bayern und seinem Kammerdiener, der wegen „niedriger Physiognomie“ zum Dienst jedes Mal eine Maske vorbinden musste (12.000/15.000).

Ein farbkrustiger Strichmann von Schumacher

Druckgraphisches von Picasso gipfelt in der schönen Radierung vom Faun, der eine Schlafende enthüllt (50.000/60.000). Auf Freunde allerhöchster Buch- und Mappenkunst wartet eine kleine Auswahl von Objekten, die der Verleger und Kunstkritiker Iliazad (Ilja Zdanevitch) in engster Zusammenarbeit mit Künstlern wie Picasso, Hausmann, Braque, Giacometti oder Chagall schuf (Taxen von 3000 Euro an).

Ein anderes Zentrum bildet Kunst der sechziger Jahre mit Schumachers farbkrustigem Strichmann „Zerap“ (40.000/ 50.000), einer „Gitterstruktur“ in gemischter Technik von Hoehme sowie Werken von HP Zimmer, Heino Naujoks und Uwe Lausen. Aus der Sammlung eines New Yorker Kunsthändlers kommt Druckgraphik von Palermo, Gerhard Richter, Hamilton, Richard Pettibone und ein Farboffset „Liz“ von Warhol (18.000/ 25.000). Dessen Serigraphie „Dollar Sign“ schlägt gegen Ende noch einen beziehungsreichen Pfahl in den Auktionsboden (50.000/70.000).

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31.05.2012 17:45 Uhr
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