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Moderne Kunst Ein Strauß Gänseblümchen

07.07.2009 ·  Bietgefechte und hohe Zuschläge: Fast wie zu alten Zeiten verliefen die Auktionen bei Koller in Zürich - die Ergebnisse.

Von Tilo Richter
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Ein „Concetto Spaziale“ mit leuchtend roten Wirbeln um einen bräunlichen Farbnebel ist unangefochtener Hauptdarsteller der Auktion mit Moderner Kunst bei Koller in Zürich: Das Schlüsselwerk von Lucio Fontana aus dem Jahr 1958 war hart umkämpft und wechselte schließlich für 690.000 Franken den Besitzer (Taxe 350.000/550.000 Franken). Ein frühes Gemälde von Gerhard Richter fand ähnlich starken Zuspruch.

Es ist eines der wenigen Werke aus seiner Dresdner Zeit, das von ihm in sein Werkverzeichnis aufgenommen wurde. Das Bild zeigt eine streng komponierte Interieurszene mit zwei Frauen; die eine liest Zeitung, die andere strickt. Dem neuen Besitzer war das Werk Richters ein finales Gebot von 330.000 Franken wert (350.000/450.000). Als drittes Spitzenstück sorgte das Gemälde „Montagne du Cristal“ von Man Ray für Aufsehen und erreichte den Zuschlag von 255.000 Franken (250.000/300.000).

Wilhelm Lehmbrucks Torso geht zuurück

Ein Sammler aus Deutschland war der glückliche Sieger eines an zwanzig Telefonen abgehaltenen Bietgefechts: Objekt der internationalen Begierde war das große Gemälde „La niña de los peines“, 1956 von Antonio Saura gemalt. Um die Konkurrenz abzuwehren, waren am Ende 235.000 Franken nötig (80.000/120.000). Max Liebermanns impressionistischer „Karren des Badewärters“ gelangte nach langer Zeit in Privatbesitz wieder auf den Kunstmarkt und erreichte 160.000 Franken (80.000/120.000). Für das kapitalste Stück der Auktion, Wilhelm Lehmbrucks auf bis zu 1,2 Millionen Franken geschätzter „Torso der Großen Sinnenden“, konnte sich niemand ausreichend begeistern, obwohl der Gipsguss zu Lebzeiten des Künstlers entstand.

Schweizer Kunst war der zweite Schwerpunkt der Zürcher Auktionswoche bei Koller: Ferdinand Hodlers fesche „Italienerin“ aus dem Jahr 1910 avancierte in dieser Sparte zum Spitzenlos. Für das Bildnis von Hodlers Lieblingsmodell Giulia Leonardi bewilligte ein Schweizer Sammler 350.000Franken; sein Gebot entspricht der oberen Taxe. Das Dreifache der Schätzung, nämlich 230.000 Franken, erzielte ein zweites Hodler-Porträt, der 1888 entstandene Kopf eines „Savoyardischen Bauernmädchens“.

Giovanni Giacomettis „La Suonatrice“

Noch im vergangenen Jahr ging Giovanni Giacomettis „Morgensonne am Silsersee“ ohne ausreichende Gebote zurück. Jetzt konnte die in leuchtende Farben getauchte Landschaft für 370.000 Franken in eine Schweizer Privatsammlung verkauft werden (280.000/380.000). Giacomettis Malerei fand auch sonst gute Resonanz: „La Suonatrice“ zeigt Giacomettis Gattin beim Spielen einer Ziehharmonika und erreichte 210.000(120.000/220.000), der „Gänseblümchen-Strauss“ 120.000 Franken. Als Rückgang musste dagegen Augusto Giacomettis „Am Weg nach Soglio“ von 1945 verbucht werden (700.000/800.000).

Robert Zünd gehört zur ersten Garde der Schweizer Meister des 19. Jahrhunderts. Für sein Gemälde „Am Vierwaldstättersee mit Blick auf den Vitznauerstock“ fiel bei exakt 200.000Franken der Hammer, was das Werk als Spitzenlos dieser Kategorie auszeichnet. Die Auktionen für Schweizer Kunst, Moderne und Zeitgenössische Kunst sowie Moderne Grafik erzielten einen Gesamtumsatz von 6,2 Millionen Franken.

In der Auktion Afrikanische Kunst konnte Koller eine außergewöhnlich schöne Maske der Punu aus Gabun für 62.000 Franken (30.000/40.000) vermitteln. Sie stammt aus dem Besitz des Genfer Malers Émile Chambon. Für zwei reichverzierte Yoruba-Masken aus dem Palast von Ajero in Ijero-Ekiti spielte man am Ende 45.000 und 49.000 Franken ein.

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