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Kunstauktionen in München Zwischen fünf Löwen in der Manege

 ·  In München beginnen (fast) alle Auktionshäuser die Saison gemeinsam: Ein Überblick.

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Es kann wohl kaum Absicht sein, wenn fünf Münchner Auktionshäuser an nur drei Tagen hintereinander und zum Teil sogar gleichzeitig Kunst und Kunsthandwerk versteigern. Etwas mehr Kommunikation zum Zwecke terminlicher Entzerrung scheint da wünschenswert und geraten. Nur von Zezschwitz stellt in dieser Ballung mit der abendlichen Sonderauktion „Lights“ am 19. September eine gewisse inhaltliche Ausnahme dar. Wem es aber nicht allein diese Lampen und Leuchten aus zwei Jahrhunderten angetan haben, sondern auch Silberobjekte, Bilder oder Antiquitäten bei Hampel oder bei Art & Auktionen Scheublein, der muss tüfteln, wie er am 19. September logistisch geschickt seine Gunst verteilt.

Vorausgesetzt, er hat sein Pulver nicht bereits am 17. September bei Neumeister oder am 18. September bei Ruef verschossen. Angesprochen ist nämlich in dieser Runde fast überall dieselbe Klientel, die Kundschaft für Alte und Ältere Kunst. Zum Glück sind die Schwerpunkte breit gestreut; im zeitlichen Ablauf liegt der erste bei einer kleinen Anzahl Graphiken aus einer süddeutschen Privatsammlung, die Neumeister anbietet. Als Spitzenlos gilt darin das Aquarell „Partie im Englischen Garten mit der chinesischen Brücke“ von Johann Georg von Dillis, das auf 15.000 Euro geschätzt ist.

Moderne Kunst als Rarität

Am nächsten Tag hält Ruef, als einziges Haus während dieses Marathons, im breiten Programm auch eine überschaubare Auswahl moderner Kunst parat. Angeführt wird diese von einer großen Fingermalerei Arnulf Rainers mit Etikett der New Yorker Galerie Mary Boone auf der Rückseite (Limit 28.500 Euro). Graphikinteressierte wählen unter Blättern von Beckmann, Max Ernst, Pechstein, Lehmbruck oder entscheiden sich für Francis Bacons 1984 entstandene Farblithographie „Oedipus and the Sphinx“, die bei 10.000 Euro aufgerufen werden wird.

Auktionen: Beginn der Herbstsaison in München

Den Beginn bei Ruef machen jedoch die Alten Meister: zum Beispiel Giovanni Paolo Panini, dem ein römisches Architekturcapriccio mit der Cestius-Pyramide zugeschrieben ist, das auch Alexander den Großen zeigt, wie er im Sockelschatten eines Rossbändigers soeben das Grabmal des Achill öffnen lässt (28.000). Eine Reiterschlacht des Neapolitaners Salvator Rosa soll im Schloss Reinhartshausen in Eltville gehangen haben und kostet mindestens 6500 Euro. Im Angebot zum 19. Jahrhundert hat ein Tiroler Mädchenporträt Franz von Defreggers das Näschen mit 22.000 Euro vorn, gefolgt von einem Tölzer Schützen auf der Bank neben seiner Bauernmaid, die Paul Mathias Padua 1927 malte (17.500).

Die Fauna im Bild

Bei der Graphik fallen zwei Tierzeichnungen ins Auge: Willy Kuhnert, Spezialist für Animalisches, skizzierte eine liegende Löwin (800), und Johann Heinrich Tischbein studierte schwungvoll auf einem Blatt diverse Hunderassen (950). Unter den Miniaturen findet sich ein kleines Bergkristall-Medaillon mit Porträt der Maria Anna von Bayern, das um 1610/1615 ein Rudolphinischer Hofkünstler schnitt; am Rand etwas beschädigt, soll es 4500 Euro einspielen. Auf dem schönen bleichen Gesicht einer Mondsichel steht die Madonna mit Kind, die, um 1500 in Bayern geschnitzt, bei den Skulpturen 8000 Euro erwartet. Und ein feines Stück hoher Möbelbaukunst gibt ein 1741 datierter süddeutscher Sekretär mit Tabernakelaufsatz ab, dessen Marketerie Portal- und Balustradenarchitekturen wiedergibt (15.000).

Mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen startet der lange Auktions-Freitag bei Hampel. Französische und italienische Modelle mischen sich zahlreich unter einheimische Stücke. Auch der Anführer der Partie stammt aus Paris: ein Gobelin aus dem Atelier Audran, das um 1755 textile Versionen von Charles-Antoine Coypels Don-Quichote-Gemälden anfertigte. Versteigert wird die Episode vom verzauberten Kopf, der vermeintlich sprechenden Marmorbüste. Deutlich mehr als drei Meter hoch muss die Wand sein, an der dieser Bildteppich mit der von üppigen Bordüren, Kartuschen, Blumenfestons umkränzten Szene hängen kann. Die Provenienzliste des auf 140.000 bis 160.000 Euro eingestuften Stücks führt erst einen Marquis an, dann einen Tapissier - immerhin den, der zeitweise für die Möblierung der Schlösser in Versailles und Fontainebleau zuständig war - und schließlich ein Museum in Hartford, Connecticut.

Eine Ansicht aus dem niederländischen Königshaus

Christina der Niederlande nennt der Katalog als einstige Eigentümerin einer Ansicht des Hafens von Genua, die Abraham Storck 1684 signierte (54.000/58.000). Heinrich Bürkels „Felsenweg am Achensee“ (12.000/14.000) und ein „Romantisches Waldstück im Spätsommerlicht“ (25.000/28.000) von Barend Cornelis Koekkok bereichern das Angebot an Malerei des 19. Jahrhunderts mit schönen Landschaften. Bei Skulpturen und Kunsthandwerk erwarten den Liebhaber unter etlichen Kunstkammerstücken eine Anbetung der Hirten als italienische Elfenbeinschnitzerei des 17. Jahrhunderts (12.000/ 14.000) oder das Kuriosum eines mit Fischen und Gesichtern beschnitzten Pferdeschädels aus Skandinavien (2000).

Der Newcomer Art & Auktionen bietet in seiner zweiten Auktion eine große Silber-Offerte, dabei eine süddeutsche Privatsammlung mit Objekten aus europäischen Silberverarbeitungszentren. Augsburger Meister sorgen für einen hochkarätigen Einstieg mit Deckelhumpen von Johannes Kilian, um 1689, und dem später tätigen Philipp Stenglin (je 8000), ein weiteres, teilvergoldetes Exemplar schmiedete Nicolaus Weiss in Nürnberg (10.000). Gleichfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt eine Reihe von Moskauer Bechern mit damals offenbar beliebtem Adlerdekor (250 bis 1600).

Ein Reiseservice enthält Meissener Porzellan für Kaffee- und Teegenuss im Lederkoffer (16.000), und auf Freunde von Nautika wartet unter anderem ein englischer Maschinentelegraph, der die Kommandos von der Brücke in den Maschinenraum übertrug (2500). Spitzwegs Gemälde einer Sennerin mit Kind „Im Hochgebirge“ könnte als Starlos 70.000 Euro bringen, für Franz von Lenbachs Porträt einer jungen Dame im Profil denkt man an 10.000 Euro, und Otto Dills mutig zwischen fünf Löwen am Boden der Manege sitzenden Dompteur preisen 8000 Euro aus.

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Von Rose-Maria Gropp

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