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Kunst und Antiquitäten in München Viele Engel beim Wolkenbad

05.01.2009 ·  Die letzten Versteigerungen 2008 bescherten Hampel einen erfolgreichen Jahresabschluss. Bei Ruef haderten die Bieter nur bei hohen Schätzungen.

Von Brita Sachs, München
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Die Auktionshäuser Ruef und Hampel pflegen ein ähnliches Versteigerungsprinzip: Sie rufen sämtliche Sparten von Alten bis Modernen Meistern, von Skulptur bis Möbel, von Schmuck bis Teppiche hintereinanderweg in einer, entsprechend opulent bestückten, Veranstaltung auf. Je zwei Tage hatten beide für ihre Vorweihnachtsauktionen angesetzt, und beide zeigten sich mit den Ergebnissen zufrieden. Sichtlich erleichtert hieß es bei Hampel: „Von Wirtschaftskrise nichts zu spüren.“

Ruef erwies sich wieder einmal als Fundgrube, wo dank beharrlich beibehaltener Niedriglimits beachtliche Preissprünge für Spannung sorgten. In Münchens ältestem Auktionshaus - Ruef feiert in diesem Jahr 165. Geburtstag - imponierte vor allem eine Muttergottes mit Kind, die der Katalog dem römischen Seicentomaler Giovanni Battista Salvi, genannt Sassoferrato, zuschrieb und die tatsächlich von 2800 auf 31.000 Euro anzog. Ein Selbstporträt mit blitzwachen Augen, hinter dem Anton Graff vermutet wird, schaffte es von 450 auf 8500 Euro, und Caspar Netschers „vornehmer Junge mit Jagdhund“ kam mit 5000 Euro etwas über die Mindesterwartung.

Chagalls Lithografie „Carmen“

Wo diese doch einmal im fünfstelligen Bereich lag, wie bei Gemälden von Courbet, Giraud oder Defregger, machte sich eher Zaudern breit - mit Ausnahme eines Stilllebens mit blauer Vase von Alexander Koester, das sein Limit von 16.500 Euro schaffte. Zum teuersten Bild stieg Chagalls Lithografie „Carmen“ von 1967 auf, deren ersten Zustand die Metropolitan Opera New York für ein Plakat verwendete; das signierte Blatt brachte 32.000 Euro (Limit 10.000 Euro).

Bei Hampel setzte die Offerte nicht zuletzt dank zweier interessanter Privatsammlungen in höheren Kategorien an. Ganz oben landeten die Alten Meister und hier das Dreiviertelbildnis einer höfisch gekleideten jungen Frau aus der Werkstatt des älteren Cranach, für die aus halb Europa Telefone zugeschaltet wurden, ehe ein französischer Händler das Bild für 240.000 Euro (Taxe 80.000/ 100.000 Euro) zugeschlagen bekam. Marktfrische nebst berühmten Künstlern würzten eine süddeutsche Bozzetti-Kollektion, für die sich ebenfalls internationales Publikum interessierte.

Eine türkische Szene von Franz Maulbertsch

Meistbegehrt schnitt Franz Anton Maulbertsch' Ölstudie „Asia“ ab, eine locker und lebendig gemalte türkische Szene, die für 170.000 Euro (15.000/25.000) gen Österreich ging. Viele Engel im Wolkenbad zeigt Giovanni Battista Tiepolos „Apotheose der Heiligen Eucharistie“, die ein tschechischer Sammler bei 110.000 Euro (60.000/80.000) sicher hatte, und der Zuschlag für „Iphigenie und Orest auf Tauris“, zugeschrieben Francesco S. Fontebasso, ging bei 52.000 Euro (15.000/ 25.000) an einen italienischen Bieter.

Emil Noldes „Landungsbrücke im Winter“, verschneit oder vereist stößt sie in graugrüne Sphären vor, zog für 180.000 Euro (190.000/210.000) nach Norddeutschland und gab dem Angebot Moderner Kunst sein Toplos. Ein quadratisches rotes Lackbild, von Lucio Fontana mit dem typischen Schnitt geschlitzt, landete im Rahmen der Taxe bei 24.000 Euro.

Die Sammlungsstücke der Society-Dame Celita de Cardenas blieben mehr oder minder auf der Strecke. Kenzos Kunstwerke aber fanden den einen oder anderen Liebhaber; „Robe Cocktail Athenas“ zum Beispiel, ein Mixed-media-Werk auf Leinwand, verkauft für 50.000 Euro (30.000).

Mit steinerner Eleganz

Glück hatte ein rheinisches Museum, denn es konnte eine Maria mit Jesuskind erwerben, ein Meisterwerk in Stein gehauener Eleganz der französischen Gotik, das 96.000 Euro erforderte (60.000/80.000). Die Skulptur entstammte derselben Brüsseler Sammlung, die auch eine Standfigur des heiligen Jakobus in die Auktion gebracht hatte - mit Sackbuch, Stab und der Muschel am Pilgerhut sowie großen Teilen der Originalfassung fand das um 1500 in Süddeutschland geschnitzte Stück viel Gefallen und einen Käufer, der 45.000 Euro einsetzte.

Ruefs skulpturales Paradeobjekt wurde ein süddeutsches Relief der Madonna mit Kind: Es befand sich ehemals im Bayerischen Nationalmuseum und erzielte prompt 13.000 Euro (Limit 8000). Mit 9000 Euro konnte ein süddeutsches Barockengelchen fliegend und lachend seinen Preis fast vervierfachen.

Bei den Möbeln überraschte das gute Abschneiden alpenländischer Schränke aus Alpach und aus dem Pinzgau, die mit je 9000 Euro nicht nur das Limit mehr als verdoppelten, sondern auch die elegante Furnierholzkonkurrenz überflügelten. Als Hampels Bestmöbel schnitt mit 47.000 Euro (um 40.000) ein klassizistisches Kommodenpaar mit Pietra-Dura-Platten ab, und ein Paar seltener Fabergé-Leuchter strahlte im Glanz von 22.000 Euro (8000/10.000).

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