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Halbjahresbilanzen Jedem Land sein eigener Rekord

31.08.2010 ·  Zurück an der Spitze: Sotheby's und Christie's vermelden in ihren Halbjahresbilanzen erstaunliche Gewinne. Zugpferd bleiben die Impressionisten. Gebote über das Internet nehmen massiv zu.

Von Lisa Zeitz
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Für das erste Halbjahr 2010 hat Christie's 2,57 Milliarden Dollar Umsatz gemeldet, was im Vergleich zum gleichen Zeitraum des vergangenen Jahrs einer Steigerung von mehr als vierzig Prozent entspricht. Sotheby's vermeldet für die ersten sechs Monate einen Umsatz von 2,4 Milliarden Dollar, womit sich das Auktionshaus sogar um 96 Prozent steigern konnte. Diese Ergebnisse haben eine Größenordnung, die durchaus mit dem ersten Halbjahr 2008 vergleichbar ist, als der Kunstmarkt weltweit Höhenflüge erlebte und die beiden größten Auktionshäuser jeweils rund drei Milliarden Dollar Umsatz verbuchten. Durch drastische Sparmaßnahmen, Entlassungen und den Verzicht auf riskante Garantien sind die Gewinne beträchtlich.

Für das erste Halbjahr 2010 vermeldet die öffentlich gehandelte Aktiengesellschaft Sotheby's einen Nettogewinn von 84,1 Millionen Dollar - das ist das zweithöchste Ergebnis in der Geschichte des Hauses, während die Firma vergangenes Jahr an dieser Stelle einen Verlust von 22,3 Millionen Dollar erlitt. Bill Rupprecht, der Direktor von Sotheby's, kommentiert: „Unsere exzellenten Resultate sind ein Zeichen für eine Besserung des Markts, wie wir sie seit dem letzten Herbst erlebt haben. Sie reflektieren starke Einkünfte, gepaart mit Disziplin auf der Ausgabenseite. Wir werden auch weiterhin auf beides achten.“

106,5 Millionen Dollar für einen Picasso

Im Rennen der beiden Rivalen hat Christie's die Nase vorn, vor allem durch die Einlieferungen umfangreicher Privatsammlungen: Aus der Kollektion des kalifornischen Sammlerehepaars Sidney F. Brody, die im Mai in New York versteigert wurde, kam Picassos Akt „Nu au plateau de sculpteur“, den der Künstler, inspiriert von seiner jungen Muse Marie-Therese Walter, an einem einzigen Tag im März 1932 gemalt hat. Unglaubliche 106,5 Millionen Dollar kostete das Werk und erzielte damit den neuen Rekord für den höchsten Auktionspreis aller Zeiten (alle Preise hier inklusive Aufgeld).

Das Bild war mit einer Garantie und einem unwiderruflichen Gebot versehen, das heißt von einer dritten Partei finanziert worden. Insgesamt 169 Werke haben bei Christie's Summen von mehr als einer Million Pfund eingespielt. Im ersten Halbjahr 2009 waren es sogar 201. Die Angabe in verschiedenen Währungen vermeidet den direkten Vergleich mit der Konkurrenz: Sotheby's gibt die Zahl der Werke, die in den ersten sechs Monaten mehr als eine Million Dollar eingebracht haben, mit 273 an.

Das teuerste je auktionierte islamische Kunstwerk

Der Anteil der Privatverkäufe ist bei Christie's auf rund 275 Millionen Dollar gestiegen. Geographisch führt bei Christie's das Geschäft in Amerika mit knapp einer Milliarde Dollar, gefolgt von London mit 750 Millionen Dollar, Hongkong mit 300 Millionen, Paris mit 120 Millionen und Dubai mit rund 23 Millionen Dollar. An Zahlen gemessen war Picassos melancholisches Porträt seines Freundes Angel Fernandez de Soto aus der Sammlung des britischen Komponisten Andrew Lloyd Webber der Höhepunkt der Londoner Auktionen bei Christie's, denn es spielte umgerechnet 51,6 Millionen Dollar ein.

Einen sensationellen Preis erzielte dort auch ein persischer Kirman-Teppich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, der mit umgerechnet fast zehn Millionen Dollar nicht nur einen Rekordpreis für einen Teppich aufstellte, sondern überhaupt das teuerste islamische Kunstwerk ist, das weltweit je unter den Hammer kam. 2009 war der Teppich unerkannt in einem Augsburger Auktionshaus mit einem Schätzpreis von 900 Euro aufgerufen worden und hatte damals 20.000 Euro gebracht.

Impressionismus und Moderne als Zugpferd

Modigliani dominierte den Pariser Kunsthandel: Seine Steinskulptur „Tête de caryatide“ von 1911/12 wurde mit der stolzen Summe von umgerechnet 51,6 Millionen Dollar bei Christie's zum teuersten Werk der französischen Auktionsgeschichte. Die Schweiz brillierte mit der „Mona Lisa der Armbanduhren“, einem Unikat der Firma Patek Phillipe, das für 5,7 Millionen Dollar einem Schweizer Museum zugeschlagen wurde, sowie mit Ferdinand Hodlers Gemälde „Genfer See mit Jura“ aus dem Jahr 1911, das zugunsten der Kunsthalle Sankt Gallen bis auf 2,53 Millionen Dollar kletterte. Bei Christie's in New York machte die Asia Week im März einen Umsatz von sechzig Millionen Dollar. Dabei hatte allein die traditionelle chinesische Kunst einen Anteil von vierzig Millionen Dollar, das bisher höchste Ergebnis in dieser Kategorie.

Christie's listet die Abteilung Impressionismus und Moderne weiterhin als stärkstes Zugpferd auf, mit rund 852 Millionen Dollar Umsatz im ersten Halbjahr. Mit einigem Abstand stehen dann „Post-War und Contemporary“ mit 461 Millionen Dollar auf der Liste, Asiatika mit 368 Millionen, Juwelen und Uhren mit 227 Millionen Dollar, und die zusammengefassten Abteilungen Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts mit 87 Millionen. Christie's-Direktor Edward Dolman erklärt, dass das Vertrauen der Einlieferer 2010 wieder größer geworden sei: So habe Christie's neben der Sammlung Brody auch die von Michael Crichton, Sonde Tang und die Spencer Collections für sich gewinnen können. Online-Geboten kämen außerdem immer mehr Bedeutung zu: Sie sollen bei Christie's mittlerweile schon ein Viertel aller Gebote ausmachen.

Steigerungen in allen Sparten

Die New Yorker Abendauktion mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby's verdreifachte mit rund 196 Millionen Dollar das Ergebnis vom Vorjahr, mit Werken wie dem patriotischen Blumenstillleben von Matisse, das mehr als 28 Millionen Dollar einspielte. Noch erfolgreicher wurde die Abendauktion mit zeitgenössischer Kunst, die starke Preise für Warhols spätes Selbstporträt für 32,5 Millionen Dollar einfuhren und Rothkos „Untitled“ von 1961 mit rund 31,5 Millionen. Das Spitzenlos der Londoner Auktionen bei Sotheby's war Turners Landschaftsgemälde „Modern Rome - Campo Vaccino“, das die Schätzung weit hinter sich ließ und auf umgerechnet knapp 45 Millionen Dollar kletterte.

Es gehört nun dem Getty Museum in Los Angeles. Auch die Auktionen von Kunst des Impressionismus, der Moderne und Zeitgenossen steigerten sich im Vergleich zu 2009: Hier wurden in London rund 274 Millionen Dollar umgesetzt, im Vergleich zu 132 im Vorjahr. Highlights waren André Derains „Arbres a Collioure“ für 24 Millionen Dollar sowie Yves Kleins blaues Schwammrelief „RE 49“ für 9,3 Millionen Dollar.

Werke aus der Sammlung von Halsey Minor

Während der Frühjahrsauktionen in Hongkong im April brachte Sotheby's mehr als 2400 Lose unter den Hammer und generierte damit rund 256 Millionen Dollar - mehr als je zuvor. Dabei verkaufte sich Wein, wie immer bisher in Hongkong, zu 100 Prozent nach Losen. Fu Baoshis Tuschezeichnung zweier Schachspieler erzielte knapp fünf Millionen Dollar.

Bei Phillips de Pury & Company lag der Umsatz der ersten Jahreshälfte bei rund 120 Millionen Dollar. Die teuersten Lose stammten dabei aus der Sammlung des amerikanischen Internet-Pioniers Halsey Minor, darunter auch das Spitzenlos „Nurse in Hollywood“ von Richard Prince aus dem Jahr 2004, das rund 6,5 Millionen Dollar einspielte.

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