Cicero verurteilte die oft anstößigen Verse des Catull als unmoralisch, und mit dem Ausklang des Altertums gerieten sie in Vergessenheit. Als einzige Überlieferungsquelle gilt ein Catull-Kodex, der gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Verona auftauchte. Später ging auch er verloren, doch da war der antike Schatz bereits durch Abschriften geborgen. Als frühestes Zeugnis der Wiederentdeckung des römischen Elegiendichters gelten sieben Passagen im „Compendium moralium notabilium“, das Hieremias de Montagnone aus moralischen Exempla antiker und mittelalterlicher Quellen zusammenstellte.
Jetzt kommt bei Hartung & Hartung in der Auktion vom 4. bis zum 6. Mai eine der Forschung bislang unbekannte Handschrift des „Compendium“ zum Aufruf, um 1400 zu Pergament gebracht: Für die in Padua oder Vicenza auf Lateinisch und Italienisch für einen humanistisch interessierten Auftraggeber ausgeführte Entdeckung erwartet man 30.000 Euro. Die von Sigismund Gelenius aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt und erstmals in Basel gedruckte Geschichte Roms (Taxe 5000 Euro) bietet die Sequenz der Inkunabeln. Preislich dominiert dort Schedels „Buch der Chroniken“ in der ersten deutschen Ausgabe, 1493 in Nürnberg gedruckt, bebildert mit 2000 Holzschnitten. Fünfzig Jahre später erhielt der Foliant seinen Schweinsleder-Einband (30.000).
Die „Ophtalmodouleia“ des Georg Bartisch
Die Erfindung des Buchdrucks hatte auch der Medizin neue Möglichkeiten der Wissensverbreitung eröffnet: Im Jahr 1583 gab Georg Bartisch deutschsprachigen Ärzten seine „Ophtalmodouleia“ an die Hand - „das ist Augendienst“ übersetzt er den Titel seiner verdienstvollen Schrift (14.000). Kräutern, die dem „Arzney-Gebrauch“ in Apotheken dienen, widmete Elizabeth Blackwell ihr vierbändiges „Herbarivm“ mit hunderten altkolorierter Kupfer (15.000).
Für Entomologen ist bei den alten naturwissenschaftlichen Büchern gut gesorgt, unter anderem mit den sogenannten „Donovan-Insects“, einem Werk, das sich auf Krabbeltiere in Großbritannien konzentriert (5000). Aber auch „Der deutsche Obstgärtner“ kommt mit Sicklers pomologischer Zeitschrift in schön ausgestatteten Bänden auf seine Kosten (10.000).
Unter Reiseberichten aus der weiten Welt gewährt die Geographische Abteilung auch Einblick ins bayerische Brauchtum, wo Gustav Kraus 1836 den Oktoberfestzug auf zwei Dutzend Tafeln prächtig lithographierte (12.000). Lucas Janszoon Waghenaers großes Seekartenwerk „Speculum nauticum“ - es ist der lateinische Erstdruck seines berühmten „Spieghels der Zeevaerdt“ - lässt 80.000 Euro erwarten und das ihm folgende Los, De Wits seltener Atlas von 1680 mit schönen kolorierten Kupferstichkarten, 35.000 Euro.