03.07.2009 · Es gibt sie noch: Wohlhabende Russen kämpften bei Stargardt in Berlin um die Handschriften ihrer Zaren. Die Banken aber ließen die Finger von einem Schriftstück, in dem Friedrich der Große ihren Berufstand lobt - die Ergebnisse der erfolgreichen Auktion.
Von Iring FetscherIm Ganzen lag der Umsatz der jüngsten Stargardt-Auktion vierzig Prozent über der Summe der Schätzpreise. Zu den Saalbietern im Opernpalais kamen fünfzig Telefonbieter aus Amerika, Westeuropa oder auch Russland hinzu. Briefe von Literaten und Wissenschaftlern geringer Bedeutung blieben vielfach liegen. In der Abteilung Geschichte sorgten wohlhabend gewordene Russen für den Absatz aller angebotenen Zaren-Autographen. Das Prunkstück der Auktion überhaupt - Goethes Liebesgedicht für Frau von Stein, geschätzt auf 60.000 Euro - stieg auf 80.000 Euro und ging zum Bedauern der öffentlichen Bieter an einen Privatkunden.
Briefe des Grafen von Platen für Erlangen
Die beiden anrührenden Schreiben des Grafen August von Platen, die mit Gedichten versehen waren, gingen für 3000 Euro wunschgemäß nach Erlangen an eine öffentliche Sammlung. Der sonst wenig geschätzte Wilhelm von Kaulbach erzielte für sein Albumblatt mit der römischen Wölfin, die Napoleon III. und Papst Pius IX. säugt, mit 500 Euro den doppelten Schätzpreis. Die neun eigenhändigen Briefe des Architekten Poelzig sicherte sich ein Händler preiswert für 600 Euro (Taxe 800). Das französische Rilke-Gedicht schien den französischen Bietern offenbar nicht zu gefallen - es brachte nur 5000 Euro (6000) -, obgleich so umfangreiche Gedichthandschriften von Rilke selten am Markt sind. Leopold Mozarts Empfehlungsschreiben für seinen Friseur stieg von 5000 auf 16.000 Euro, dieselbe Summe erzielte ein Brief Robert Schumanns an seine Mutter (8000).
Die handschriftlichen Korrekturen Adenauers zum Typoskript „Notwendigkeit der Allgemeinen Wehrpflicht“ vervierfachten ihr Taxe von 1200 Euro, Theodor Heuss' Brief zum Problem der deutschen Nationalhymne ging von 600 auf 1200 Euro. Die Irrationalität der Vorlieben führte dazu, dass ein Schriftstück Peters des Großen beim Zuschlag von 6000 Euro (3000) hinter einem Handschreiben von Lady Di an ihren Koch für 6500 Euro (1200) zurückblieb. Die zwei interessanten Handschreiben Ludendorffs (500) blieben ebenso liegen wie die sechzehn Autographen Carl Schmitts (3000). Friedrichs des Großen höchst aktuelles Schriftstück, signiert „Fch“, das „Banco-Director(en), die durch Fleiß und Raffinement“ zu mehr Gewinn beigetragen haben, zwei Prozent zubilligt, blieb mit 1100 knapp unter seiner Taxe von 1200 Euro. Merkwürdig, dass die Deutsche Bank da nicht durch ihren Vorstand zugriff.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |