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Alte und neue Kunst Wenn der Löwe friedlich döst

20.07.2010 ·  Arbeiten auf Papier reüssieren bei Karl & Faber in München: die Ergebnisse der Auktionen mit Alter und neuer Kunst.

Von Brita Sachs, München
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Für einen animierten Auftakt der Frühjahrsauktion bei Karl & Faber, die an zwei Tagen Kunst vom 15. Jahrhundert bis heute zum Aufruf anbot, sorgten Dürer-Graphiken von bemerkenswerter Qualität. Sie stammen aus zwei Privatsammlungen in Baden-Württemberg und der Schweiz. Am besten schnitt der frühe Kupferstich „Hieronymus in der Wüste“ ab, dessen Druckgüte ein telefonisches Händlergebot mit 46.000 Euro (Taxe 32.000/40.000) belohnte. Etwa zwanzig Jahre später, 1514, schilderte Dürer dann, wie „Hieronymus im Gehäuse“ die Bibel aus dem Griechischen übersetzt, in seiner gemütlichen, zentralperspektivisch durchgebildeten Renaissance-Stube, in der auch der Löwe friedlich döst.

Ein New Yorker Händler übernahm das Blatt für 24.000 Euro (15.000/20.000). Ein wunderbarer Abdruck des „Meerwunders“ - es zeigt einen alten Nix mit seinem entkleideten Entführungsopfer - kletterte vom Aufruf bei 11000 zum Hammerschlag bei 17.000 Euro (12.000/15.000). Ebenso viel brachte der sogenannte „Verzweifelnde“, ein Capriccio mehrerer Figuren, an dem Dürer die Eisenradierung übte und das als seltener Ia-Zustand vorlag. Den massivsten Anstieg verbuchte sein Kupferstich „Orientale und sein Weib“, der telefonisch 20.000 Euro (3000/4000) einspielte. Schongauers äußerst rares Blatt vom noblen „St. Martin“ ging für erwartete 24000 Euro in eine amerikanische Privatsammlung.

Arbeiten auf Papier beherrschten das Geschehen weiter: Die kürzlich Gherardo Cibo zugewiesene reizvoll blaugrundige Zeichnung eines Bauern mit Sichel neben einem Baum bekam für 7000 Euro (4000/5000) rheinländischer Handel. Der überbot mit 6000 Euro (3200/3400) auch Bewerber um das Blatt „Herkules am Scheideweg“ von Johann Friedrich Ludwig Oeser, dem wenig bekannten Sohn von Goethes Zeichenlehrer. Zum teuersten von drei Blättern Adrian Zinggs wurde die sorgfältige Studie einer Rhabarberstaude mit 6500 Euro (1200).

Zeichnungen aus einstigem Besitz des Regensburger Kunsthistorikers und Altdorfer-Spezialisten Franz Winzinger fanden Zuspruch: Ihr Star wurde Feuerbachs kleiner nackter Bube in Rückenansicht, dessen Babyspeck der Künstler mit Weißhöhungen auf blauem Grund rundete; erst bei 14.000 Euro (2500/3000) war hier der Züricher Zeichnungsfachmann David Lachenmann am Ziel. In der Partie zum 19. Jahrhundert überraschten zwei Gemälde: „Die Insel St. Paul im Indischen Ozean“, ein kleines wüstes Küstenstück vom Weltumsegler Joseph Selleny, ging für 9000 Euro (1400) nach Österreich. Und „Capris Steilküste im Mondschein“, gemalt vom Lebensreformer und Symbolisten Karl Wilhelm Dieffenbach, bekam ein Schweizer Sammler für 13.000 Euro (8000/10.000).

Erbslöhs „Stillleben mit drei Äpfeln“ für ein Museum

Als meistbebotenes Los bei der Moderne machte Arnold Balwés Gemälde „Wintersonne“ von 1961 wohl deshalb Karriere, weil es ein Münchner Ausflugsziel zeigt, das nah vom Chiemsee aufragende Massiv der Kampenwand; mit privat investierten 25.000 Euro verzehnfachte das Bild die Schätzung. Als teuerstes Los schnitt Ueckers „Lichtscheibe“ ab, ein Nagel-Tondo von 1967, der prinzipiell rotierend denkbar ist; er forderte Schweizer Handel die taxgemäßen 110.000 Euro ab. Nachfrage ehrte die „Badenden Menschen“ von Nay aus der Reihe der Lofoten-Bilder mit 100.000 Euro (50.000/ 60.000).

Auch Museen kamen zum Zuge: Das Murnauer Schlossmuseum erwarb Erbslöhs „Stillleben mit drei Äpfeln“ für 65000 Euro (40.000/50.000), und das Münchner Lenbachhaus bekam Hans Hofmanns Porträt seines Vaters, das der spätere Pionier der amerikanischen Abstrakten 1905 in Paris malte, für 27000 Euro (18.000/20.000). Kirchners 1912 aquarellierte Straße eines Berliner Vororts sicherte sich ein Sammler unter Taxe für 43000 Euro, für Pechsteins Kreidezeichnung „Nach dem Bade“ aus demselben Jahr dagegen musste die Schätzung auf 12500 Euro verdoppelt werden.

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