30.12.2009 · Ein Erbslöh für das Lenbachhaus und ein Stillleben von Jawlensky für eine süddeutsche Privatsammlung: die Ergebnisse der Auktion mit Alter und Neuer Kunst bei Karl & Faber in München.
Von Brita Sachs, MünchenAls erfolgreichster Teil der Dezemberauktion bei Karl & Faber in München schnitt die Klassische Moderne ab, die gute Preise auch für Kunst hergab, die nicht den gängigen Erwartungen an ihren Schöpfer entsprachen. Das „Stillleben mit rotem Tablett und Astern“ beispielsweise malte Jawlensky 1904, also vor der hohen Zeit beim „Blauen Reiter“, aber bereits unter Einsatz leuchtender Primärfarben. Das von einer Reihe Ausstellungsbeteiligungen und Beyeler-Provenienz nobilitierte Blumenstück erzielte mit 270.000 Euro fast die Schätzung von 280.000 bis 300.000 Euro und geht in eine süddeutsche Privatsammlung.
Bei Gabriele Münter denkt man eher an Berglandschaften als an Stadtbilder, aber die abendliche Straßenansicht von 1911, die den Mond wie einen Ausreißer aus einer Reihe Kugellaternen über dem Münchner Karolinenplatz schweben lässt, kann sich gleichfalls sehen lassen: Zur oberen Taxe von 180.000 Euro nahm ein Privatsammler das Bild, der ein paar Lose später noch Purrmanns 1937 genossenen „Blick über Florenz“ für 90.000 Euro (70.000/ 100.000) ersteigerte. Der Direktor des Münchner Lenbachhauses war gekommen, um Adolf Erbslöhs farbsatten „Wirtsgarten Brannenburg“ anzukaufen, musste aber dafür den Taxpreis auf 50.000 Euro verdoppeln.
„Tierporträts“ von Karin Kneffel
Österreichische Klassiker eroberten die Auktionsbühne zunächst mit Max Oppenheimer, genannt „Mopp“, dessen großartiges Pastell „Klinglerquartett“ den Tanz der Hände auf den Saiten und mit dem Bogen ins Bildzentrum rückt; österreichischer Handel ergatterte die Arbeit für erwartete 45.000 Euro. Schiele trat mit dem nicht allzu häufigen Wiener Secessions-Plakat von 1918 an, das für 14.000 Euro (16.000/20.000) den Eigentümer wechselte, und Fritz Wotruba sorgte mit seinem „Kleinen Gehenden“ aus Bronze für den Hammerpreis von 26.000 Euro (12.000/15.000).
In der Zeitgenossenpartie stachen als Los mit der höchsten Steigerung Karin Kneffels „Tierporträts“ hervor: Je drei Hahn-, Schafs- und Rinderköpfe, die die Richter-Schülerin 1991 und 1992 malte, landeten bei verdreifachter oberen Taxe auf 24.000 Euro und in Privatbesitz. Den Höchstpreis der Strecke bewilligte Handel für einen Holzmann im grünen Hemd von Balkenhol mit 40.000 Euro (35.000/40.000). Verewigungen Kippenbergers auf zwei Tischtüchern wollte niemand, aber Beuys erwies sich wieder als sehr gefragt: Ein „Samurai-Schwert“ aus einer Auflage von dreißig kam auf 15.000 Euro (8000/10.000).
Mit Rembrandts „Hundertguldenblatt“ hatte die Auktion bei den altmeisterlichen Papierarbeiten ihr erstes Bietgefecht: Obwohl es sich um einen späteren Abzug handelte, umkämpften ihn zwölf Bieter, bis italienischer Handel bei 14.000 Euro (1500) das letzte Wort hatte. Viel Interesse erregte auch die Federzeichnung eines muschelblasenden Tritonen, zu dem der Katalog „Bernini-Umkreis“ vermerkte - und 2000 Euro; dass der Hammer erst bei 18.000 Euro ein Machtwort sprach, deutet auf besseres Wissen der hartnäckigen Interessenten. Zum erwarteten Hochsprung setzten erneut zwei Scherenschnitte von Philip Otto Runge an: Zwar blieben die Ergebnisse deutlich unter den Summen, die Karl & Faber vor einigen Jahren für vergleichbare Blätter erzielte, doch stehen auch die „Johannisbeere“ mit 64.000 Euro und eine „Mohnblume“ mit 58.000 Euro (je 25.000/30.000) exzellent da.