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Alte und neue Kunst in Berlin Don Quichote und der Häuptling der Sioux

25.11.2008 ·  In vier opulenten Katalogen präsentiert das Auktionshaus Bassenge in Berlin eine attraktive Auswahl Alter und Neuer Kunst - die Vorschau.

Von Camilla Blechen, Berlin
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Vor neun Jahren versteigerte Sotheby's in London und München die Kunstsammlung des Stuttgarter Unternehmers Rolf Deyhle. Das Spitzenstück, Otto Dix' Porträt des Dresdner Rechtsanwalts Dr. Fritz Glaser, erzielte damals 3,3 Millionen Pfund. Bassenge kann nun in Berlin bei seinen Auktionen mit alter und neuer Kunst vom 27. bis 29. November insgesamt dreizehn weitere Gemälde der Sammlung mit Klassischer Moderne anbieten. Vom bis heute als Außenseiter der „Neuen Sachlichkeit“ eingestuften Paul Kleinschmidt hatte der Musical-Produzent Deyhle nicht weniger als 65 Bilder erworben.

Aus dem inzwischen stark zusammengeschmolzenen Kleinschmidt-Bestand von Deyhle offeriert Tilman Bassenge jetzt vier Figurenbilder und zwei Stillleben, entstanden 1925 bis 1948, mit Taxen von 20.000 bis 45.000 Euro. Die wohlbeleibten Diven aus dem Theater- und Zirkus-Milieu, umgeben von Kuchenbergen, Konfekt und Schminktöpfen, entstanden im Geist der Bewunderung von Max Beckmann und Lovis Corinth.

Eine Kirche von de Vlaminck

Aus der Sammlung Deyhle kommt außerdem noch ein auf 70.000 Euro geschätztes Gemälde „Dorfkirche“ des französischen Fauvisten Maurice de Vlaminck und zeigt die Spannbreite von Deyhles Verlangen nach Kunstwerken, das ihn beispielsweise auch nach einem „Abstrahierten Stillleben“ von Adolf Fleischmann greifen ließ (Taxe 13.000 Euro), oder nach dem Gemälde „Erkenntnis (Halbakt und Symbol)“ des von der Esoterik beeinflussten Mitglieds der Novembergruppe, Albert Mueller (15.000) um 1920.

In die Welt biblischer Mythen entführt Marc Chagalls großformatiges Aquarell „Der Traum Jakobs“, beziffert mit 140.000 Euro. Begehrlichkeiten bei Berliner Sammlern wecken dürfte Max Liebermanns Pastell „Allee im Tiergarten mit Spaziergängern“, dessen Schätzung bei 60.000 Euro liegt. Max Slevogts Interesse galt der Cervantes-Figur Don Quichote: Seine Ölstudie von 1907 zeigt einen im Anblick eines Löwen versunkenen Don Quichote; sie ist mit 14.000 Euro beziffert.

Graphiken von Käthe Kollwitz

Sechzehn Blätter von Käthe Kollwitz visualisieren ihre Sicht auf die Abgründe des Lebens: Bereits 1903 entstand die bewegende Vorzeichnung zu der Radierung „Frau mit totem Kind“ (Taxe 30.000 Euro), 1927 die Lithographie „Selbstbildnis im Profil“ (3500), in den Jahren 1934/35 der Steindruck „Ruf des Todes“ (2500). Sechs Tiermodelle aus Bronze von August Gaul (3500/6000), dazu vier Kleinplastiken der Renée Sintenis (4500/15.000) runden das Defilee ausgewählter Werke ab.

Das fabulöse Einhorn im Kreise mächtiger Vertreter der realen Tierwelt, um 1535 von dem Franzosen Jean Duvet festgehalten, bildet mit einer Taxe von 75.000 Euro die größte Kostbarkeit bei der Graphik Alter Meister. Eine weitere Rarität, die 30.000 Euro einspielen soll, liegt mit einem altkolorierten Metallschnitt aus der Werkstatt des bayerischen Meisters der Stoeger-Passion vor, der die heilige Barbara mit ihren Attributen Turm und Buch zeigt.

Ein reiches Dürer-Angebot

Im Gegensatz zu der mit vierzig Graphiken reich bestückten Dürer-Abteilung ist Rembrandt diesmal mit acht Radierungen vertreten, darunter sein „Selbstbildnis mit Barett“ für 20.000 Euro. Eine „Auferstehung des Lazarus“ von Jacques Bellange erfordert die Anlage von 9000 Euro, Hans Bols Folge „Jagd und Fischfang“ 7500 Euro. Eine Radierung von Francesco Piranesi zeigt den Blick in die „La Grotta di Posilippo“ (6500) bei Neapel; die Darstellung gewinnt durch die Kolorierung von Louis-Jean Desprez eine magische Wirkung.

Unter den Gemälden des 19. Jahrhunderts sticht das Porträt eines Häuptlings der Sioux-Indianer hervor, das dem Amerikaner Charles Schreyvogel gelang (24.000). Um einiges teurer ist mit 28.000 Euro Hans Thomas von fliegenden Putten bevölkertes Gemälde „Frühlingsmärchen“. Dresdner Künstler fallen durch sensible Naturstudien auf: Carl Gustav Carus mit der Wiedergabe einer Moräne in den Schweizer Alpen (6000) aus dem Jahr 1831, Christian Friedrich Gille mit einem blühenden Bärenklau (3200) von 1863, Ernst Ferdinand Oehme mit der Bleistiftskizze eines Waldweihers (750) um 1840. Zwei Darstellungen junger Liebespaare von Ludwig Richter sollen je 1800 Euro kosten. Im Hinblick auf David Chipperfields Verzicht auf eine Rekonstruktion der Kaulbach-Fresken im baulich veränderten Treppenhaus des Berliner Neuen Museums erwecken 54 auf Transparentpapier fixierte Vorstudien aus der Werkstatt von Kaulbach zur „Geschichte der Menschheit“ Aufmerksamkeit (7500).

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