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Alte Kunst und Moderne Das Georgskreuz kehrt heim

17.07.2011 ·  Was Sonderborg im Jahr 1956 in knapp dreißig Minuten schuf, verzehnfachte rasant bei Karl & Faber in München die Taxe. Zum teuersten Los wurde allerdings ein Gemälde von Gabriele Münter. Der Nachbericht.

Von Brita Sachs, München
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Als Knüller der Frühjahrsaison bei Karl & Faber sticht Gabriele Münters „Dorfstraße mit Fuhrwerk“ aus allen Zuschlägen heraus: Mit 360.000 Euro erlöste das ausnahmsweise nicht in Murnau, sondern 1938 bei einem Verwandtenbesuch an der Jagst gefundene Motiv das Dreifache der Obertaxe. Dies ist nicht nur ein überraschend hoher Preis für ein vergleichsweise spätes Gemälde der „Blauen Reiterin“, sondern, laut Ermittlungen des Hauses, auch ihr vierthöchstes je erzieltes Auktionsergebnis. Zustande brachten das zwei hartnäckige Privatsammler aus Bayern, die sich von 120.000 Euro an ungestört duellierten. Gleich darauf bewies Münter ihren aktuellen Marktwert nochmals mit einer Murnauer Landschaft, die, sogar erst 1960 in Mischtechnik auf Papier angelegt, 26.000 Euro (Taxe um 17.000) einspielte.

Anschließend floss die Moderne-Auktion wieder in ruhigeren Bahnen, so wie sie auch begann. Lovis Corinth, der sich zu Unrecht im Markt schwerer tut, wenn nicht Blumen oder der Walchensee seine Bilder schmücken, verbuchte erfreulicherweise für ein kräftiges „Stillleben mit Fischen“ von hohem Abstraktionsgrad 75.000 Euro, knapp unter der Schätzung. Hingegen wird um Alexander Kanoldts neusachliches Arrangement aus Büchern und Krügen nach einem Vorbehaltszuschlag von 145.000 Euro (um 170.000) noch verhandelt.

Gute Papierarbeiten deutscher Expressionisten bewiesen ihre Selbstläuferqualität: Schmidt-Rottluffs Aquarell „Moor im Herbst“ mit Ernst-Gosebruch-Provenienz brachte angestrebte 30.000 Euro, und Feiningers „Ankunft der Bark“ schlug der Auktionator Rupert Keim einer Händlerin für 42.000 Euro (40.000/ 50.000) zu. Orchideen-Aquarelle von Nolde können sogar im angewelkten Zustand noch 60.000 Euro (60.000/80.000) beim Handel schaffen, und in China getuschte Dschunken des Seebüllers erlösten 40.000 Euro (30.000/40.000).

Das jüngst durch eine Schau des Brandhorst-Museums neu entfachte Interesse an Picassos Künstlerbüchern ermunterte einen Münchner, Objekte des Verlegers und passionierten Typographen Iliazd einzuliefern. Internationales Verlangen nach den schönen Stücken gipfelte bei „Le frère mendiant“, dem von Picasso illustrierten Reisebericht eines Franziskanermönchs aus dem 14. Jahrhundert, den englischer Handel für 15.500 Euro (10.000/12.000) erstritt.

Erfolge bei der Alten Kunst

Wer hätte gedacht, dass Sonderborgs am 10. Januar 1956 zwischen 22.27 Uhr und 23.53 Uhr mit Eitempera und Tuschpinsel stürmisch gemalte und gekratzte Ovalform meistbebotenes Los dieses Tages werden würde? Zehn Bieter saßen in den Startlöchern und hoben das lang vom Künstler einbehaltene Werk von 3000 auf 30.000 Euro. Auch Arbeiten von Hoehme und Naujoks korrigierten ihre Taxen nach oben.

Alte Kunst - erstmals versteigerte Karl & Faber sie in dieser Saison mit vierwöchigem Vorlauf zur Moderne - punktete eingangs mit Druckgrafik von Canaletto, Dürer und insbesondere Rembrandt: Als bestens konservierter Frühdruck stieg des Letzteren „Kreuzabnahme bei Fackelschein“ von 15.000 auf 32.000 Euro und erfreut nun einen amerikanischen Sammler.

Zwei radierte Porträts des Kalligraphen Lieven Willemsz. van Coppenol wechselten in kleiner Version für erwartete 10.000 Euro, in der großen für 24.000 Euro (15.000/18.000) in eine Privatsammlung. Wegen Resten der Montage auf der Rückseite war Schongauers Kupfer vom dämonengepeinigten heiligen Antonius vorsichtig auf 20.000 bis 25.000 Euro geschätzt.

Ein Aiwasowski für den russischen Handel

Bei sonst guter Erhaltung besonders schöner Blätter drückt der Käufer aber schon mal ein Auge zu - hier bis zum Hammerschlag bei 58.000 Euro. Vermummt als „italienisch“ und bescheiden auf 1200 Euro taxiert, harrte unter den Gemälden eine Ansicht vom Canal Grande der Entdeckung; sie kam in Gestalt von mindestens zwanzig Bietern und dem Ergebnis von 26.000 Euro: Hinter dem Vedutenmaler soll nämlich der „Master of the Langmatt Foundation“ stecken.

Russen rückten Malerei des 19. Jahrhunderts ins Rampenlicht. So schnellte „Vollmond über stiller See“ vom begehrten Meeresmaler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski - trotz starker Restaurierungen - zackig von 20.000 auf 82.000 Euro und in den russischen Handel. In süddeutschen Privatbesitz gelangte hingegen für 150.000 Euro (170.000) eine Variante von Isaak Lewitans Dämmerungsbildern mit Mond und Teich, die das Russische Museum in St. Petersburg bewahrt.

Aus dem Nachlass der Künstlerfamilie Olivier

Einer offenbar gehaltvollen Zeichnungskollektion verdankte Karl & Faber in letzter Zeit unter anderem Blätter von Ribera und aus Berninis Umkreis und nun Domenico Quaglios prächtigen „Schlosshof der Ruine Hohenfreyberg im Allgäu“; ein Sammler machte das Rennen bei 24.000 Euro (4000/5000). Staunen erfüllte den Saal, als nach der Tonlithographie „Donnerstag“ aus des Nazareners Ferdinand von Oliviers Wochen-Serie, die 12.000 Euro (7000/8000) schaffte, ein Los mit drei Erinnerungsstücken aus dem Nachlass der Künstlerfamilie Olivier ebenfalls auf 12.000 Euro stieg: Allein die zwei goldenen Siegelringe mit dem Familienwappen hätten sicher mehr als die angepeilten 800 Euro gebracht.

Aber das eigentliche Stück der Begierde, für das russische Käufer eigens anreisten und den hohen Preis bewilligten, war ein Orden - das seltene russische „Georgskreuz“, ein vor 1914 auch an Ausländer verliehener Orden, den Ferdinands Bruder Friedrich von Olivier verliehen bekam.

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