Home
http://www.faz.net/-gz2-143kb
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Aktuelle Kunst Auf Sparflamme in die Herbstsaison

10.10.2009 ·  Die Londoner Auktionen mit Gegenwartskunst machen den Mangel an Spitzenwerken augenfällig. Sotheby's verzichtet sogarauf die Abendauktion.

Von Anne Reimers, London
Artikel Bilder (6) Lesermeinungen (0)

Die kommende Woche steht London wieder ganz im Zeichen der zeitgenössischen Kunst, denn es ist Zeit für die Kunstmesse Frieze Art Fair im Regent's Park. Satellitenmessen, Ausstellungen und Galerien buhlen dann um die Aufmerksamkeit des internationalen Publikums. Zeitgleich findet traditionell der dritte Londoner Auktionstermin des Jahres mit Gegenwartskunst bei Christie's, Sotheby's und Phillips de Pury statt. Umsatzerwartungen und Preisniveau der Lose sind nun - wie bei den Zeitgenossen-Auktionen im Februar und Juni - extrem zurückgeschraubt worden.

Sotheby's verzichtet zum ersten Mal, wohl mangels hochkarätiger Einlieferungen, vollständig auf eine Abendauktion und richtet stattdessen nur eine 246 Lose umfassende Tagesauktion aus. Mit Erklärungen hält sich das Auktionshaus zurück und lässt lediglich verlauten: „Wir haben den anstehenden Contemporary Art Sale in der Frieze-Woche als Reaktion auf das derzeitige Angebot und die Nachfrage in einem bereinigten Markt zusammengestellt, um den Bedürfnissen unserer Klienten entgegenzukommen.“

Erst die prestigeträchtige Abendauktion mit Zeitgenossen im November in New York von Sotheby's wird Aufschluss darüber geben, wie es aktuell um den Nachschub für die Auktionshäuser bestellt ist. Offenbar weigern sich viele Besitzer zeitgenössischer Kunst, ein deutlich niedrigeres Preisniveau zu akzeptieren. Das Resultat sind weniger Transaktionen. Zwar wechselt eine steigende Anzahl an Kunstwerken durch von Auktionshäusern vermittelte, private Geschäfte den Besitzer, doch die Bereitschaft, bei einer Auktion zu verkaufen, ist gesunken.

Neue Sektion mit arabischer und iranischer Kunst

Als Folge finden die Londoner Auktionen nur an zwei Tagen statt. Am Freitag, den 16. Oktober startet Sotheby's mit „20th Century Italian Art“: 33 Lose, die mindestens 5,61 Millionen Pfund einspielen sollen, darunter ein „Natura Morta“- Bild von Morandi (Taxe 250.000/350.000 Pfund). Spitzenlos ist bei Sotheby's ein Stillleben mit Früchten aus der klassischen Periode von Giorgio de Chirico, gemalt um 1926 während seines Paris-Aufenthalts (900.000/1,2 Millionen). Daran schließt sich, angefeuert von Basquiats Gemälde „Fuego Flores“ (800.000/1,2 Millionen), der „Contemporary Art Day Sale“ bei Sotheby's mit 177 Losen und einer Umsatzerwartung von neun bis dreizehn Millionen Pfund an: Anish Kapoors unbetitelte polierte Stahl-Schale soll von seiner aktuellen Einzelschau in der Londoner Royal Academy profitieren; sie ist auf 600.000 bis 800.000 Pfund geschätzt.

In einer eigenen Sektion werden 46 Lose arabischer und iranischer Künstler versteigert mit einer Gesamttaxe von mehr als 980.000 Pfund: Angeführt wird die Auktion von Farhad Moshiris poppigem „Cowboy and Indian“ (150.000/200.000) und einem überdimensionierten Vogelkäfig von Mona Hatoum (100.000/150.000). Zwei Drittel der Lose in diesem neuen Marktsegment sind unter 20 000 Pfund taxiert. Zur Erinnerung: Schon im vergangenen Oktober enttäuschte der Londoner „Evening Sale“ von Sotheby's mit einem Umsatz von 22 Millionen Pfund gegenüber der Erwartung von 30,6 bis 42,75 Millionen Pfund. Der Durchschnittspreis der Abendauktion bei Sotheby's vor zwei Jahren lag sogar noch bei mehr als 600.000 Pfund. Nun beträgt die durchschnittliche Taxe für alle drei Sektionen der Tagesveranstaltung ungefähr 63.000 Pfund. Alle drei Auktionshäuser bieten jetzt nur ein oder zwei Lose um die Eine-Million-Pfund-Grenze an, der Rest ist deutlich niedriger angesetzt. Die Situation ist vergleichbar mit 2006. Bloomberg schätzt, dass der Gesamtwert der Oktober-Auktionen der drei Häuser gegenüber 2008 um 81 Prozent gesunken sei.

Kippenbergers Paris Bar

Die Auktionen gehen am 16. Oktober weiter, nun bei Christie's: Deren Abendauktion umfasst nur 25 Lose mit einer Gesamttaxe von 6,78 bis 9,49 Millionen Pfund, daraus ergibt sich eine untere Durchschnittsschätzung auf immerhin 271.200 Pfund. Bei Christie's stellt seit diesem Frühjahr der ehemalige Sotheby's-Leiter für Abendauktionen und Private Sales, Francis Outred, als neuer „European Head of Post-War and Contemporary Art“ die Zeitgenossen-Auktionen zusammen. Sein Spitzenlos ist Peter Doigs „Pine House“ (1,5/2 Millionen), das im vergangenen November bei Christie's in New York - mit Garantie und einer unteren Schätzung auf 4,5 Millionen Dollar versehen - keinen Abnehmer fand. An zweiter Stelle folgt Martin Kippenbergers „Paris Bar“: Das Bild hing von 1991 bis 2004 in der Berliner Bar gleichen Namens und wurde in London zuletzt von Charles Saatchi in seiner Ausstellung „The Triumph of Painting“ gezeigt (800 000/1,2 Millionen).

Zum Vergleich: Phillips de Pury hat im Februar 2009 Kippenbergers „Portrait of Paul Schreber“, ein großes Gehirn vor gelbem Hintergrund, aus Saatchis Sammlung knapp unter der Taxe für 360.000 Pfund versteigern können. Von Kippenberger wird außerdem die Leinwand „Kellner des . . .“ (500.000/700.000) aufgerufen. Es folgt mit 38 Losen und einer Umsatzerwartung von 6,53 bis 9,4 Millionen Pfund der „Italian Sale“. Im Oktober 2008 bot die Abendauktion mit Zeitgenossen von Christie's noch 47 Lose - inklusive eines auf zwölf Millionen taxierten Fontana, der für acht Millionen vermittelt wurde - zur unteren Taxe von 57,8 Millionen Pfund an. Der Durchschnittspreis lag bei 1,2 Millionen Pfund.

Am Samstag, den 17. Oktober findet die Tagesauktion von Christie's und schließlich Phillips de Purys Veranstaltungen statt. Der „Evening Sale“ bei Phillips wartet mit 44 Losen auf, für die sich das Haus fünf bis sieben Millionen Pfund erhofft. Hervorzuheben sind vier Lose von Kippenberger aus der Schweizer Sammlung Bleich-Rossi und der große Anteil an skulpturalen Arbeiten von Tony Cragg, Franz West, Fontana und Rosemarie Trockel. Das Spitzenlos ist auch hier ein Basquiat: „Year of the Boar“, gemalt 1983 und nun für 900.000 bis 1,2 Millionen Pfund angeboten. Die Tagesauktion bietet nicht weniger als 234 Lose im erhofften Gesamtwert zwischen 2,8 und vier Millionen Pfund. In dieser Woche hat Phillips außerdem Auktionen mit Fotografie und Design angesetzt. Die zum Kunstherbst anreisenden Gäste sollen die Wahl haben.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Einknicken der Euro-Retter

Von Holger Steltzner

Das Leben auf Pump geht weiter: Der Süden druckt einfach das Geld, das er für Rechnungen braucht. Warum soll sich Griechenland ändern, wenn es doch immer wieder neue Kredite gibt? Mehr 24 116

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK