Während draußen über dem Rockefeller Center hartnäckige graue Regenwolken hingen, versammelte sich im Auktionssaal bei Christie's das überwiegend graumelierte, internationale Publikum: Der erste Teil der „Important Old Masters“ erzielte einen Umsatz von 54,3 Millionen Dollar und blieb damit deutlich hinter den angestrebten 75 Millionen zurück. Für manche Werke konnte sich kein einziger Interessent erwärmen, während andere ihre Schätzungen weit hinter sich ließen.
Zuerst rief Auktionator James Bruce-Gardyne 45 Lose aus dem von Holland restituierten Inventar der Sammlung Goudstikker auf, über die weltweit berichtet worden war. Trotz dieser Werbung brachte die Sammlung, wie auch der Rest der Auktion, gemischte Resultate - hieß es doch bei fast einem Drittel aller Werke „passed“. Der separate Goudstikker-Katalog spielte weniger als 9 Millionen Dollar an Hammerpreisen ein. Trotzdem ließ die Goudstikker-Erbin Marei von Saher nach der Auktion verlauten, sie sei froh, dass immerhin über dreißig der restituierten Werke verkauft worden seien, und freue sich auf die nächsten Auktionen in London und Amsterdam. Das teuerste Los dieser Sektion wurde wie erwartet Salomon van Ruysdaels Flusslandschaft mit Fähre. Der junge William Noortman, der für Sotheby's arbeitet, ersteigerte sie für nur zwei Millionen Dollar (Taxe 3/5 Millionen Dollar).
Erotik schlägt Tugend
Besonders großes Interesse fand die langbeinige Venus mit dem Honigdieb Cupido, die Lucas Cranach d. Ä. und seiner Werkstatt zugeschrieben wird. Sie konnte gegen Gebote des in London und München operierenden Konrad Bernheimer bis zu ihrem anonymen Zuschlag auf 700.000 Dollar klettern (200.000/300.000). Sex sells - auch eine barbusige Schöne aus der Schule von Fontainebleau vervielfachte ihre Taxe und erreichte beachtliche 300.000 Dollar (60.000/80.000). Dagegen sah die fromme Santa Lucia aus dem 14. Jahrhundert ohne Gebot alt aus. Überraschend hoch dagegen stieg der Preis für zwei Porträts mit Spitzenkragen aus dem frühen 17. Jahrhundert. Jan Anthonisz van Ravesteyns stolzes Bürgerpaar war dem Londoner Kunsthändler Johnny van Haeften 600.000 Dollar wert, das Sechsfache der unteren Taxe.
Van Haeften schlug auch im nächsten Teil der Auktion zu: Für jeweils rund eine halbe Million Dollar, das Doppelte der Taxe, kaufte er alle vier Tondi von Pieter Brueghel d. J. aus der Sammlung von Virginia Kraft Payson. Sie messen je achtzehn Zentimeter im Durchmesser und verbildlichen im typisch Brueghelschen Bauern-Ambiente rätselhafte Sprichwörter. Eine weitere Einlieferung von Kraft Payson, El Grecos nächtliche Darstellung eines Jungen, der mit geblähten Backen eine Flamme anfacht, konnte keinen Interessenten finden, und so wurde sie zum teuersten Rückgang (5/7 Millionen Dollar.) Ähnlich erging es dem sogenannten Porträt der Jane Austen (400.000/800.000) und Canalettos Ansicht der Piazza San Marco (4/6 Millionen).
Sieben Auktionsrekorde
Allerdings fanden sich unter den Top Ten auch sieben Auktionsrekorde: Cima da Coneglianos Renaissance-Madonna wurde bei der oberen Taxe von drei Millionen Dollar zugeschlagen. Der New Yorker Kunsthandel French and Company bewilligte 2,3 Millionen Dollar für eine kleine blaugrüne Landschaft von Lucas van Valckenborch aus dem Jahr 1597 (400.000/800.000), und Sebastiano Riccis laszive Barock-Allegorie „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“ wanderte für 2,15 Millionen Dollar (800.000/1,2 Millionen) an die Adresse eines italienischen Privatsammlers - auch das ein Höchstpreis. Mit Spannung wurde Johann Heinrich Tischbeins Szene beim Glücksspiel erwartet, in der sich der Künstler selbst als Mitglied einer bunten venezianischen Gesellschaft zeigt. Zwar bemühte sich Bernheimer um das Gemälde, doch er unterlag schließlich bei 2,2 Millionen Dollar (1/1,5 Millionen) der Bremer Galerie Neuse. Der bisherige Auktionsrekord für Tischbein ist damit mehr als verdoppelt worden.
Das teuerste Bild des Tages wurde wie erwartet die Ansicht des Canal Grande von Bernardo Bellotto, die von einem Spanisch sprechenden Agenten am Telefon für den Rekordpreis von 9,8 Millionen Dollar vermittelt wurde (8/12 Millionen). Das letzte Los schließlich, ein mystischer Farbwirbel mit dem Titel „Glaucus und Scylla“ von J. M. W. Turner, ging an den New Yorker Kunsthändler Richard Feigen, der von der ersten Reihe aus 5,7 Millionen Dollar (5/7 Millionen) im Auftrag des texanischen Kimbell Art Museum bot. Somit kehrt das Bild dorthin zurück, woher es kam: Erst kürzlich hatte es das Museum an die Erben der in Nizza ansässigen jüdischen Kunstsammler John und Anna Jaffé restituiert.