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2:1 in Frankreich Ein Abend für Fußballgenießer

 ·  Ein Freundschaftsspiel der ganz besonderen Güteklasse. Die deutsche Mannschaft gewinnt trotz zahlreicher Absagen erstmals seit 1987 wieder eine Partie gegen Frankreich - und dreht sogar einen Rückstand.

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© REUTERS Vergrößern Siegesjubel in Paris: Deutschland gewinnt das Prestigeduell gegen Frankreich

Bevor es losging, wurde schnell ein Erinnerungsfoto geschossen: 50 Jahre Élysée-Vertrag, das war der Rahmen dieses französisch-deutschen Fußballvergleichs, der angemessen dokumentiert werden wollte. Und auch der sportliche Teil wird denjenigen, die dabei waren, in bester Erinnerung bleiben: als ein Abend der so reich an Tempo und Klasse war, wie man es bei eher freundschaftlichen Partien dieser Art nicht so oft erlebt.

Dass es aus deutscher Sicht ein besonders lustvolles Erlebnis war, lag an den Treffern von Thomas Müller (51. Minute) und Sami Khedira (74.) in der zweiten Hälfte, die die französische Führung durch Mathieu Valbuena (44.) wett machten. 2:1 – es war der erste deutsche Sieg gegen Frankreich seit 1987, auswärts sogar seit 1935.

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© AFP Vergrößern Geniestreich nach Real-Art: Sami Khedira vollendet nach genialer Özil-Vorarbeit

Für Joachim Löw wird ganz anderes als die schnöde Statistik im Vordergrund gestanden haben: Wie engagiert und fokussiert seine Mannschaft diesen Test absolvierte – auch ohne einige Stammkräfte. Was dem Bundestrainer vor allem gefallen haben dürfte, war, dass sein Team diesmal in schwieriger Situation die Ruhe behielt und den Rückstand in einen Sieg wendete.

Ansehnliche Spielbeschleunigung

Auf der Habenseite standen außerdem: eine sehr ansehnliche Spielbeschleunigung aus dem Mittefeld – mit einem Mesut Özil als dem Mann für das besondere Momentum. Nicht ganz so funkelnd, aber mindestens ebenso präsent und erstaunlich abgeklärt erledigte Ilkay Gündogan seine Aufgabe an der Seite von Sami Khedira, mit dem Bonbon des öffnenden Passes auf Müller vor dem 1:1. Auf den jungen Dortmunder wird nach diesem inspirierten Auftritt mehr denn je zu achten sein.

Hin und wieder jedoch machten sich aber auch die alten Problemzonen des deutschen Spiels bemerkbar. Die Innenverteidigung mit Mertesacker und Hummels wirkte nicht immer ganz auf der Höhe. Und Höwedes ist im Spiel nach vorn zu limitiert, als dass das Linksverteidiger-Problem sich mit ihm einer Lösung nähern könnte. Gomez, der einzige Angreifer, wirkte noch nicht in der Verfassung, in der er die Erwartungen erfüllen konnte.

Zu den Besten Europas

Schon in der ersten Hälfte war es ein höchst kurzweiliges Vergnügen, das die Mannschaften boten. Wer auf so hohem Niveau technische Klasse, Tempo und robustes Spiel vereint, der darf sich zu Recht zu den Besten Europas zählen. Egal, ob es die Blauen oder die Weißen waren – bei fast jedem Spielzug konnten die rund 75.000 Zuschauer im Stade de France darauf hoffen, dass irgendetwas Besonderes passieren würde. Die Deutschen wirkten insgesamt etwas gefährlicher, die Großchancen aber waren gleichmäßig verteilt: Zwei Mal, gegen Özil (6.) und bei Mertesackers Kopfball (21.), musste Torwart Lloris in höchster Not klären. Auf der anderen Seite war René Adler in seinem ersten Länderspiel seit Oktober 2010 hellwach, als Benzema frei vor ihm auftauchte (27.). Fast mit der letzten Aktion der ersten 45 Minuten war er dann aber doch geschlagen. Erst donnerte ein Freistoß von Benzema gegen die Latte, danach waren die Franzosen schneller wieder bei der Sache, und Valbuena konnte einköpfen.

Löw hatte kein völlig unerwartetes Experiment gewagt wie noch im November, als Götze plötzlich in vorderster Linie gegen die Niederlande auflief. Nach ihren guten Leistungen in Amsterdam hatten Gündogan und Höwedes allerdings eine weitere Bewährungschance auch verdient.

Gewinner Gündogan

Und vor allem Gündogan nutzte sie entschlossen. Vom ersten Moment an gehörte er zu den Taktgebern im deutschen Spiel und bewies dabei in den meisten Fällen das Gespür für die richtige Lösung. Zugleich arbeitete er mit höchstem Engagement nach hinten – eine in jeder Hinsicht reife Leistung in seinem erst fünften Länderspiel.

Den Franzosen war anzumerken, dass sie unter Didier Deschamps wieder zu sich und zu alter Stärke gefunden haben. Zuletzt hatten zwei Achtungserfolge der Équipe Tricolore frische Sympathien eingebracht: ein 2:1 in Italien und ein 1:1 in der EM-Qualifikation gegen Spanien. Und auch gegen Deutschland boten sie ihrem Publikum jede Menge Leidenschaft und manchen Moment zum Zungeschnalzen. Dafür war vor allem Franck Ribéry zuständig, der zwar nominell das Revier von Philipp Lahm kreuzte, de facto aber fast überall unterwegs war.

Özil als entscheidender Passgeber

Die zweite Hälfte hielt das Niveau der ersten noch eine ganze Weile. Was zunächst den Deutschen den verdienten Lohn ihrer Mühen brachte. Nach dem Ausgleich erspielten sich die Franzosen Vorteile, die auch in den exzellenten Gelegenheiten für Benzema (62./73.) und Ribéry (68.) ihren Ausdruck fanden.

Löws Team schien nun etwas Schwung und Faden zu verlieren, vielleicht auch wegen einer Strukturveränderung: Kroos kam für Gomez, und nun war es an Özil, sich ganz vorne zu versuchen. Seinen besten Moment hatte er dann aber in bewährter Rolle: als Passgeber zu Khediras Siegtreffer.

Frankreich - Deutschland 1:2 (1:0)

Frankreich: Lloris (Tottenham Hotspur/26 Jahre/44 Länderspiele) - Sagna (FC Arsenal/29/33), Koscielny (FC Arsenal/27/8 - 46. Rami/FC Valencia/27/25), Sakho (Paris St. Germain/22/12), Evra (Manchester United/31/48) - Cabaye (Newcastle United/27/20), Matuidi (Paris St. Germain/25/10 - 46. Capoue/FC Toulouse/24/5) - Sissoko (Newcastle United/23/7 - 81.  Giroud/FC Arsenal/26/15), Valbuena (Olympique Marseille/28/19 - 86. Menez/Paris St. Germain/25/22), Ribéry (Bayern München/29/71) - Benzema (Real Madrid/25/55)
Deutschland: Adler (Hamburger SV/28/11) - Lahm (Bayern München/29/96), Mertesacker (FC Arsenal/28/86), Hummels (Borussia Dortmund/24/24), Höwedes (FC Schalke 04/24/11) - Khedira (Real Madrid/25/37), Gündogan (Borussia Dortmund/22/5) -  Müller (Bayern München/23/39 - 90. Lars  Bender/Bayer Leverkusen/23/12), Özil (Real Madrid/24/44), Podolski (FC Arsenal/27/107 - 68. Schürrle/Bayer Leverkusen/22/21) - Gomez (Bayern München/27/58 - 57. Kroos/Bayern München/23/35)
Schiedsrichter: Mazzoleni (Italien)
Zuschauer: 75.000
Tore: 1:0 Valbuena (43.), 1:1 Müller (51.), 1:2 Khedira (74.)

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