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: Was von der DDR übrigblieb - von A bis Z

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          Leipzig (dpa) - Die DDR ist vor 25 Jahren untergegangen - aber spurlos verschwunden ist sie nicht.

          Ob in Supermarktregalen, an Straßenkreuzungen oder in der Alltagssprache - ein wenig DDR findet sich auch in der heutigen Bundesrepublik noch. Ein A bis Z über Stars aus dem Osten, deutsch-deutsche Missverständnisse und echte Dauerbrenner.

          A - Ampelmännchen

          Der Star unter den Relikten der DDR. Freundlich mit Hut und deutlich agiler als die West-Variante weist es seit 1969 den Fußgängern den Weg über Kreuzungen. Entworfen hat den «Roten Steher» und den «Grünen Geher» der Verkehrspsychologe Karl Peglan. Legte nach dem Mauerfall ein erstaunliches Comeback hin - auf Ampeln, aber auch auf T-Shirts Tassen und anderen Souvenirs.

          B - Broiler

          Auch das ostdeutsche Grillhähnchen hat es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Was weniger bekannt ist: Die Wortkreation Broiler ist an das englische «to broil», grillen, angelehnt. Dessen Wurzeln liegen wiederum im französischen «bruler», übersetzt brennen oder rösten. Ein echter Dauerbrenner, der Broiler.

          C - Comics

          Das DDR-Comic schlechthin war «Mosaik». Zeichner Hannes Hegen ließ die drei Kobolde Dig, Dag und Digedag von 1955 bis 1975 Abenteuer erleben. Nach einem Bruch zwischen Hegen und dem FDJ-Verlag des Mosaik kamen die Abrafaxe - und blieben bis heute. Mosaik erscheint monatlich, nach Angaben des Steinchen für Steinchen Verlags in einer gedruckten Auflage von 105 000 Exemplaren. Zwei Drittel der Abonnenten wohnen im Osten, die restlichen Comics gehen in den Westen.

          D - Defa-Filme

          Fernsehen zu Weihnachten ohne «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel»? Undenkbar! Neben dem Märchen-Dauerbrenner entstanden in der DDR-Filmfabrik Defa rund 700 Spielfilme, darunter Klassiker wie «Jakob der Lügner» oder «Spur der Steine».

          E - Eierbecher-Huhn

          Der Kult-Eierbecher für den Frühstückstisch. Vor allem Kinder liebten und lieben das Plastikhuhn. Auch heute noch in Souvenirshops oder im Internet zu kaufen.

          F - Freisitz

          «Freisitz geöffnet» - ein Schild an Gastronomiebetrieben, das bis heute zu deutsch-deutschen Missverständnissen führt. Der Westdeutsche rätselt, ob ein Jägerhochsitz gemeint sein könnte, der Ostdeutsche denkt an Bier und Frischluft. Ein Blick in den Duden hilft: Ein Freisitz ist ein Biergarten oder eine Terrasse im Grünen.

          G - Grüner Pfeil

          Die Ampel zeigt rot, aber Rechtsabbiegen ist trotzdem erlaubt? Möglich macht es der Grüne Pfeil, seit 1994 auch im Westteil der Republik. Hamburg galt mit 360 Schildern mal als Grünpfeilhauptstadt. Doch wegen steigender Unfallraten - die Autofahrer missachten das Anhaltegebot - steht der Grüne Pfeil nun in der Kritik und wird mancherorts wieder abmontiert.

          H - Halloren Kugeln

          Sahne- und Kakaocreme umhüllt von Zartbitterschokolade - für viele Süßmäuler sind die Halloren Kugeln unwiderstehlich. 1804 in Halle/Saale gegründet ist Halloren eine der ältesten Schokoladenfabriken Deutschlands. Die Kugeln gibt es seit 1952. Heute werden 180 Millionen Stück jährlich verkauft.

          I - Indianer

          Freizeitindianer gab es in der DDR sehr viele. Sie schneiderten sich Lederhosen, zogen sich Mokassins an und trafen sich am Wochenende mit Gleichgesinnten in der Brandenburger Prärie. Als Oberindianer wurde Schauspieler Gojko Mitic, der «Winnetou des Ostens», angehimmelt. Inzwischen sind die deutschen Indianer in die Jahre gekommen, und es plagen sie Nachwuchssorgen.

          J - Jägerschnitzel

          Die nächste Gelegenheit für deutsch-deutsche Missverständnisse. Lässt Westdeutsche im Osten entgeistert auf eine panierte Jagdwurstscheibe starren. Der Ostdeutsche im Westen ist enttäuscht, wenn er ein gebratenes Stück Fleisch statt des erhofften Lieblingsessens aus Kindertagen vorgesetzt bekommt: Jägerschnitzel - also Jagdwurst - mit Nudeln und Tomatensoße.

          K - Karlsbader Schnitte

          Kennt jeder in Deutschland, heißt in Ost und West bloß unterschiedlich. Die Karlsbader Schnitte ist ein Toast Hawaii - Toastbrot, Schinken und Ananas - und das Ganze mit Käse überbacken.

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