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: Nach Parteiaustritt: Canel wirft FDP falschen Korpsgeist vor

  • Aktualisiert am

          Hamburg (dpa) - Nach ihrem überraschenden Parteiaustritt hat die bisherige Hamburger FDP-Landesvorsitzende Sylvia Canel scharfe Kritik an Bundesparteichef Christian Lindner geübt.

          «Ich bin von ihm enttäuscht», sagte sie am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe einen «falschen Korpsgeist in der FDP», mit dem jede Diskussion erstickt werde. «Ich habe das Gefühl, dass man innerhalb der FDP nicht mehr frei sagen kann, was man denkt.» Es fehle an Respekt, sozialer Empathie und Kompetenz, schrieb die 56-Jährige auf Facebook.

          Lindner wollte sich am Dienstag zunächst nicht äußern, aber in der Bundespartei wurde der Schritt gelassen aufgenommen. «Das ist der Auszug der Enttäuschten», hieß es in Lindners Umfeld. Der Landesverband habe nun die Chance, sich rechtzeitig vor der Bürgerschaftswahl am 15. Februar 2015 neu aufzustellen. Lindner hofft nach einer Serie von Wahlniederlagen auf eine Trendwende in Hamburg.

          Als mögliche neue FDP-Landeschefin wird von vielen Katja Suding gehandelt, die die Liberalen 2011 in die Bürgerschaft geführt hatte. Auf die Frage, ob sie als Nachfolgerin zur Verfügung stünde, sagte die 38-Jährige der dpa: «Wir werden in Ruhe über die neue Aufstellung beraten. Es ist jetzt nicht die Zeit, etwas auszuschließen.» Kriterium für die neue Parteispitze sei einzig und allein die Frage, wie die FDP bei der Wahl erfolgreich sein könne.

          Eine sich anbahnende Gründung einer neuen liberalen Partei in Hamburg wird nach Ansicht des stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden Wolfgang Kubicki keinerlei Einfluss auf die Gesamtpartei haben. «Das ist eine rein regionale Erscheinung, die viel damit zu tun hat, dass große Verletzungen entstanden sind im Zusammenhang mit der Aufstellung der Landesliste zur Bürgerschaftswahl», sagte der Kieler FDP-Fraktionschef am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

          In der Hansestadt könnte sich die neue Partei im September gründen. Ihr will sich auch Canel anschließen. «Ich wünsche allen Beteiligten eine gute Reise; aber sie wird keinen großen Widerhall finden», sagte Kubicki über eine eventuelle Neugründung.

          Canel hatte am Montagabend mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt vom Landesvorsitz und ihren Parteiaustritt erklärt. Kommissarisch soll Dieter Lohberger, bisher einer von Canels Stellvertretern, die Hamburger FDP führen. Der Landesvorstand berät an diesem Sonntag auf einer Klausurtagung über die Nachfolge. Auf einem Parteitag am 7./8. November soll dann entschieden werden, wer dem seit Jahren zerstrittenen Landesverband künftig vorsteht.

          Anfang Juli war Suding zur Spitzenkandidatin für die Wahl 2015 gekürt worden. Der Wahl vorausgegangen war ein Streit zwischen ihr und Canel. Suding - in den Augen der Bundes-FDP eine Hoffnungsträgerin - hatte mit dem Rückzug aus der Politik gedroht, sollte Canel ebenfalls auf der Landesliste kandidieren. Erst auf Intervention Lindners wurde ein Burgfrieden geschlossen. Canel hatte die Hamburger Liberalen als Nachfolgerin von Rolf Salo seit 2012 angeführt. Zwischen 2009 und 2013 saß sie im Bundestag.

          Quelle: dpa

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