07. September 2008 Den ersten Eindruck von einem anderen Menschen gewinnt man ja nur noch selten persönlich. Zehn Jahre nach der Gründung von Google hat es sich bei vielen Menschen durchgesetzt, dass sie den Namen von neuen Bekannten oder neuen Geschäftspartnern erst einmal googeln - noch bevor sie mit dem anderen telefonieren oder ihn von Angesicht zu Angesicht sehen.
Höchste Zeit also, dass ich mir ansehe, was Google über mich ausspuckt. Eine eigene Homepage habe ich seit Jahren - also erwarte ich eigentlich, dass die der oberste Treffer wird. Doch meine Annahme stellt sich genauso schnell als Fehler heraus, wie ich "Patrick Bernau" in das Suchfeld tippen kann. In der Ergebnisliste steht ganz oben ein Forum für Studenten. Die tauschen sich darüber aus, wie sie sich möglichst aussichtsreich um ein Stipendium bewerben. Da hat Google das Ziel verfehlt. Denn dieses Forum habe ich zwar während des Studiums gemeinsam mit einem Kommilitonen aufgebaut. Aber wer etwas über mich erfahren möchte, geht in diesem Forum leer aus.
Warum steht diese Seite auf Platz eins? Von Google selbst ist dazu nur wenig zu erfahren. Das Unternehmen gibt nur einige allgemeine Tipps dazu, wie man eine Website für Googles Computer möglichst einfach lesbar macht. Das kann helfen. Aber es erklärt nicht, warum das Studentenforum oben auf der Website steht. Und die Firma erklärt noch einmal den alten Kern der Google-Suche, den "Page-Rank". Der soll das Ansehen einer Seite als Zahl widerspiegeln. Denn bei Google werden alle Suchanfragen von Computern beantwortet. Und die verstehen Text bislang kaum. Also zählt Google, wie viele Verweise ("Links") eine Seite bekommt. Die Idee: Je mehr Links eine Seite bekommt, desto größer ist ihr Ansehen - und umso mehr, je angesehener die verlinkenden Seiten sind.
Mehr Links
Doch auch das allein erklärt nicht, warum das Studentenforum auf Platz eins steht. Schließlich steht auf Rang vier eine F.A.Z.-Seite. Und die F.A.Z. bekommt vermutlich mehr Links als das Forum.
Google selbst erzählt nicht genau, wie seine Computer arbeiten. Nur so viel ist zu erfahren: Sie achten auf mehr als 200 verschiedene Faktoren, die immer wieder überarbeitet werden, darum ändern sich die Ergebnisseiten ständig.
Um mehr zu erfahren, rufe ich Christian Mauer an. Das tun auch einige Firmen, wenn sie mit ihrer Plazierung unzufrieden sind. Denn Christian Mauer führt ein Unternehmen namens Sumo, das Websites in den Ergebnislisten nach oben bringt. Dafür analysiert er den ganzen Tag Websites und ihre Google-Position. So kann er die wichtigsten Teile der entscheidenden Formel abschätzen.
Welche Seite ist aktuell?
Mauer erkennt gleich, warum das Studentenforum so weit oben steht. Ich bin selbst schuld, muss ich lernen. Denn ich habe dem Forum eine Nische auf meiner eigenen Website gegeben. Darum steht auf den ersten Blick fest, dass diese Seite etwas mit mir zu tun hat. Googles Computer ahnen zwar, dass es in dem Studentenforum kaum um mich geht. Denn mein Name taucht darin kaum auf. Aber sie zählen nicht nur die Links und die Fundstellen meines Namens. Die Computer vermuten auch: Das Studentenforum ist aktueller als meine Homepage, weil im Studentenforum fast jeden Tag ein neuer Beitrag hinterlassen wird.
Die Links sind trotzdem wichtig. Und auch in dieser Wertung ist das Forum weit voraus. Denn jeder neue Beitrag bekommt in dem Forum eine eigene Seite, und die setzt einen zusätzlichen Link auf die Startseite. Dazu kommen die Links von anderen Leuten, die sich sowieso viel eher für das Forum interessieren als für meine Website.
Offen bleibt aber, warum das bekannte FAZ.net trotzdem nur auf Platz vier steht. Die Lösung kennt Kamillo Kluth bei Abakus Internet Marketing: Es kommt nicht nur darauf an, wie viele Links eine Seite hat - sondern auch darauf, ob diese Links mit meinem Namen beschrieben sind. Und das ist bei FAZ.net selten der Fall. Google sucht sich aber unter den Seiten auf FAZ.net die aus, in deren Titel mein Name steht und die unter "Patrick Bernau" verlinkt ist.
Was oben steht, klickt
Dass Google so vorgeht, haben sich Kritiker des amerikanischen Präsidenten George Bush zunutze gemacht: Sie haben viele Links mit dem Titel "Failure" (Fehler) auf seine Website gesetzt. Bald war George Bush der erste Treffer einer Google-Suche nach "Failure". So einfach würde das heute nicht mehr funktionieren. Unangenehme Überraschungen gibt es trotzdem noch.
In meinem Fall ist die recht harmlos: An Position sieben steht das "WebsiteWiki" - eine Seite, die über andere Websites nutzlose Daten sammelt, vielleicht um Benutzer anzuziehen und Werbung zu verkaufen. Auch die Website "Cylex" mit einem Telefonbucheintrag für das Küchenstudio eines Namensvetters und die Personensuche "123people" führen Google-Besucher nicht weiter. Diese Seiten schafften es bei Google nach einem einfachen Prinzip auf die erste Seite, erklärt Christian Mauer: Sie erzeugen per Computer riesige Websites mit vielen Unterseiten. Google findet die dann schon mal ähnlich gut wie mein Studentenforum. Dann müssen die Betreiber nur noch ein paar Links von ihren anderen Websites aus setzen. Das reicht unter wenig umkämpften Begriffen wie Namen oft für einen der ersten zehn Plätze.
Wenn nun eine Verleumdung über mich auf der Seite stehen würde, blieben mir wenig Chancen. Ich könnte nur den Websitebetreiber bitten, dass er die Seite aus dem Internet nimmt. Bessere Chancen habe ich, wenn ich probiere, andere Websites weiter nach vorne zu bringen. Einträge bei Facebook und anderen Online-Gemeinschaften verraten zwar auch etwas über mich, aber wenigstens kontrolliere ich das selbst. Dann stelle ich ein paar sinnvolle Kommentare ins Internet und hinterlasse dabei als Vorstellung einen Link zu meiner Facebook- oder Xing-Seite - schon zieht Google die weiter nach oben. Wenn ich auf diese Weise die unangenehmen Seiten von den ersten zehn Plätzen verdränge, fallen sie aus der ersten Seite. Damit habe ich schon viel gewonnen: Die Hälfte der Sucher kommt darüber nicht hinaus - vor allem, wenn es weiter oben einen guten Treffer gibt.
Meine Google-Treffer
Unter dem Suchbegriff Patrick Bernau findet Google:
1.Bewerber-Forum für die Studienstiftung des deutschen Volkes
2.Homepage von Patrick Bernau
3.Artikel von Patrick Bernau auf der Homepage
4.Patrick Bernau: Vorstellung auf FAZ.net
5.Next 08-Konferenz: Vorstellung von Patrick Bernau, F.A.S.
6.Xing-Profil
7.Patrick-bernau.de auf Website-Wiki
8.Facebook-Profil
9.Küchenstudio Patrick Bernau in Offenbach auf Cylex.de
10.Patrick Bernau auf 123people.de
Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa
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Kreditklemme: Steinbrück droht Banken mit Sanktionen
Finanzkrise: Deutsche Konjunktur läuft hinterher
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