Junkbonds

Gewinnen mit den Überlebenden

Von Aron Pressman

09. Dezember 2008 Renditen für Junkbonds erreichen derzeit noch nie dagewesene Höhen. Momentan stoßen verstimmte Investoren alles bis auf Staatsanleihen ab, während die durchschnittliche Rendite von Anleihen unter dem Investment-Grade erstmals bei über 20 Prozent liegt.

Die eingebrochenen Kurse der Anleihen, die zu diesen fetten Renditen geführt haben, haben die Preise der Junkbond-Fonds, die dieses Jahr um durchschnittlich 30 Prozent gesunken sind, zermalmt. Laut Morningstar ist das die schlechteste Entwicklung im festverzinslichen Bereich überhaupt.

Spreads auf Rekordniveau

Die historischen Tiefs der Staatsanleihenkurse führen zu einem Allzeithoch des traditionellen Benchmarkwertes für den Markt für Junkbonds - dem Spread oder der Renditedifferenz zwischen Junkbonds und zehnjährigen Staatsanleihen. Geduldige Investoren, die ihre Anlagen klug auswählen, könnten auch dann gut dafür belohnt werden, wenn die Ausfallraten insgesamt einen Höchststand erreichen.

Martin Fridson, Vorstandschef von Fridson Investment Advisors, ist ein auf Junkbonds spezialisierter Vermögensverwalter in New York und mit 25 Jahren Erfahrung auf dem Junkbond-Markt bereits ein Veteran. Ihn erinnern die derzeitigen Bedingungen an den November 1990, der den bisherigen Rekord in Sachen Rendite-Spreads hält. Die Rendite der Junkbonds habe im darauffolgenden Jahr 39 Prozent betragen.

Steigende Ausfallraten...

Im Gegensatz zu vorherigen Rezessionen fielen die Kurse auf dem Markt für Junkbonds dieses Mal jedoch schon lange bevor die Ausfallraten nach oben gingen. Bis Ende Oktober zeigte sich nur bei 3,2 Prozent der Anleihen unterhalb des Investment-Grade ein Ausfall. Das ist weniger als der historische Durchschnitt von 5 Prozent und nicht sehr viel höher als die Ausfallhöhe von 1 bis 2 Prozent der vergangenen zwei Jahre, in denen die Renditen durchschnittlich bei nur 6 Prozent lagen.

Aufgrund der rückläufigen Konjunktur und Ausgabenkürzungen bei Konsumenten und Unternehmen wird jedoch ein sprunghafter Anstieg der Ausfallraten erwartet. Laut Moody's Investors Service werden die Ausfallraten im nächsten Jahr die 10 Prozent übersteigen; Standard & Poor's sieht für 2010 eine Quote von 23 Prozent voraus.

... sind eingepreist

Da die Anleihenpreise schon so tief gesunken sind, meinen viele Manager, dass auch ein plötzlicher starker Anstieg der Ausfallquoten in den Markt eingepreist wird. Weicht man den offensichtlichsten Ausfallkandidaten aus, bieten sich viele günstige Gelegenheiten, meint Thomas M. Price, Co-Manager des Wells Fargo Advantage High Income Fund. „Wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, wird es sich als günstiger Zeitpunkt für den Einstieg entpuppt haben“, sagt er. „Allerdings müssen Sie sich darauf konzentrieren, Gewinner herauszusuchen.“ Die Top-Holdings von Wells Fargo enthalten Schuldtitel von Telekommunikationsunternehmen wie Qwest, Sprint Nextel und L-3 Communications. Im allgemeinen favorisiert der Fonds die am höchsten bewerteten Junkbonds.

Wahrscheinliche Ausfallkandidaten zu umgehen kann derzeit wichtiger sein als je zuvor. In der Vergangenheit erhielten Anleger bei Anleihen pro Dollar sogar bei Insolvenz eines Unternehmens 30 bis 40 Cent zurück. 2009 und 2010 werden die Quoten jedoch wahrscheinlich geringer sein.

Das liegt daran, dass Unternehmen auf der Höhe der Blase Kreditgeber davon überzeugt haben, Anleihen und Kredite mit lockereren Bestimmungen bei der Definition von Ausfällen auszugeben und aufzunehmen. Dank dieser als „Covenants light“ bezeichneten Konditionen können Unternehmen einen Konkursantrag aufschieben, dadurch mehr liquide Mittel verbrauchen und den Wert ihrer Vermögenswerte verringern.

Spekulation auf die Erholung

Einige Anleger sind der Meinung, dass Junkbonds nun ein sicherere Methode sind, auf eine Erholung des Wertpapiermarktes zu setzen. Die Märkte stehen besonders in harten Zeiten in einer engen Wechselbeziehung zueinander, sagt Andrew Feltus, Co-Manager des Pioneer High Yield Fonds. Da viele Anleihen mit 50 Cent pro Dollar gehandelt werden, ist der Vorteil vergleichbar mit Aktienrenditen, wenn die Emittenten überleben. „Das Risiko ist ähnlich und sie werden für das Warten bezahlt“, sagt er.

Tom Soviero arbeitet bei Fidelity Investments mit Junkbond- und Aktienfonds und meint, dass Bankdarlehen von Unternehmen unterhalb des Investment-Grades ein besseres Geschäft sind als Junkbonds. 26 Prozent seines Junkbond-Fonds hat er in solchen Darlehen angelegt. Sie werden durchschnittlich mit 65 Cent pro Dollar gehandelt und bieten den Anlegern einen höheren Anspruch auf Vermögenswerte, falls ein Schuldner insolvent wird. Soviero bevorzugt das Gesundheitswesen und meidet den Automobilsektor und den Einzelhandel.

Anstehende Turbulenzen

Die Risikostreuung war für Junkbond-Anleger schon immer wichtig, damit ein oder zwei Insolvenzfälle ein Portfolio nicht komplett vernichten. Aufgrund der extremen Schwäche einiger Branchen des Marktes, besonders der Automobilbauer, sollten Anleger börsengehandelte Fonds (ETFs) meiden, die solche Anleihen enthalten müssen, da sie Teil der von den ETFs abgebildeten Indizes sind. Versuche, den Junkbond-Markt zu indizieren seien trotz geringer Gebühren für Indexfonds immer schief gelaufen, sagt Soviero. „In der Theorie klingt es sehr gut, aber die Umsetzung ist nicht gelungen.“

Zusätzlich bieten die anstehenden Turbulenzen risikofreudigen Anlegern mit nur kurzfristigen Anlagewünschen eine andere Strategie - in einem ETF gehandelte Junkbonds leer zu verkaufen oder im Rydex Inverse High Yield Strategy Fund anzulegen. Der Rydex-Fonds nutzt Derivate, um von fallenden Anleihekursen zu profitieren. Nachdem er im Oktober fast 7 Prozent zugelegt hatte, stieg er bis zum 1. Dezember um 13 Prozent.

Rakesh Saxena, der Credit Default Swaps (CDS) für Quote Platform Syndicate bewertet, findet an solchen Strategien großen Gefallen. Er sagt, dem Junkbond-Markt sei noch nicht bewusst, wie sehr sich die Situation verschlimmern wird. Deshalb verkauft er den iShares iBoxx High Yield Corporate Bond-Fonds leer, dem 53 der größten Junkbond-Titel gehören. „Die Krise wird auch Bereiche wie den Junkbond-Markt erreichen.“

Pressman ist Korrespondent der Business Week in Boston.



Text: Business Week Online
Bildmaterial: F.A.Z.

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